Die grüne Insel

Eigentlich sind die Kellys an allem Schuld.

1994 bekam Mama das gerade erschienene Album "Over the Hump" zum Geburtstag, doch irgendwie bekam ich es in die Hände - und wurde vom Kelly-Virus infiziert.

Auf dem Albumcover sind die Cliffs of Moher zu sehen und schon damals, mit gerade mal 7 Jahren, hatten es mir diese spektakulären Klippen angetan. Schon damals stand für mich fest: Eines Tages werde ich auch dort stehen! Tja, es hat 24 Jahre gedauert, aber nun ist dieser lang gehegte Traum tatsächlich wahr geworden, und noch so viel mehr - auch wenn es zunächst so gar nicht danach aussah ...

 

Es war also schon immer mein Traum, einmal nach Irland zu reisen. Die Landschaft, das berüchtigte Wetter, das raue Meer, Pferde, die Musik ... es gab so vieles, was mich an diesem Land faszinierte und immer neugieriger werden ließ. Als ich dann die Daten der kommenden Tournee von Angelo Kelly und seiner Family studierte und kein Konzert so wirklich bei uns in der Nähe stattfand, da dachte ich: Nun, wenn ich schon weit fahren muss dafür, dann kann es auch richtig weit sein. Und kurzerhand bestellte ich zwei Tickets für's Abschlusskonzert der Irish Summer Tour in Dublin. Das war nun wirklich ein toller Anlass, um endlich den Traum einer Irlandreise zu verwirklichen - doch vorerst stand das ganze Vorhaben noch auf sehr wackligen Beinen.

Feivel war über mehrere Monate immer wieder krank und ich wusste nicht, wie es im September aussehen würde. Doch Gott sei Dank besserte sich sein Zustand über den Sommer, sodass ich es schließlich wagte, die Flüge zu buchen. Inzwischen hatte sich auch Hannelore angeschlossen - Mama, sie und ich würden also zu Dritt unterwegs sein. Wir wollten mit Bus und Bahn durchs Land reisen und in Hostels bzw. B&Bs übernachten. Ich begab mich also daran, eine Route auszuarbeiten, Unterkünfte und Tickets zu buchen - was sich als nervenaufreibendes Unterfangen entpuppte. Es war 1000 mal einfacher, eine vierwöchige Rundreise durch Neuseeland zu organisieren, als wie zwei Wochen Irland! Aber nun gut, irgendwie schaffte ich es, die Systeme der verschiedenen Bus- und Bahngesellschaften zu durchblicken. Doch dann fingen die Schwierigkeiten erst richtig an! Als ich die Mails mit den Bustickets ausdrucken wollte, waren plötzlich 10 von 12 weg. Einfach verschwunden! Und nur die! Ich konnte es nicht fassen. Als ich das Mail-Programm nochmal neu öffnete, waren sie plötzlich wieder da.

Als ich die Unterkünfte buchen wollte, ging mein PC nicht mehr. Es tat sich absolut gar nichts, alles schwarz. Das hatte ich noch nie. Und auch dieses Problem war am nächsten Tag auf wundersame Weise wieder verschwunden. Als ich dann den nächsten Anlauf starten wollte, passierte das nächste Unglück: Ich kippte meine volle Tasse Tee über meinen PC ... er lief über die Tastatur, den Schreibtisch und tropfte fröhlich in die Steckerleiste ... die ich dann erstmal trocknen ließ. Natürlich gab es auch das klassische Druckerproblem - er wollte die Buchungsbestätigungen plötzlich nicht einfach drucken, sondern faxen, an wen auch immer ...

Was war ich froh, als am Ende alle Buchungen ausgedruckt in meiner Mappe lagen. Aber damit nicht genug. Am Morgen vor unserem Abflug kaufte Heinz eine Zeitung. Und was stand auf der Titelseite?? Ein Artikel über die neuesten Pannen bei Eurowings ... natürlich unsere Fluggesellschaft. Wir lasen den Artikel nicht.

Zum Flughafen kamen wir dann - wer hätte es gedacht - ohne Zwischenfälle. Doch dort war dann die Zufahrt gesperrt. Irgendwie kamen wir aber schließlich doch an und hatten sogar noch ein bisschen Zeit. Wir schlenderten durch einen Buchladen am Terminal - und was fanden wir? Ein Buch mit dem Titel "Gefährliche Ferien - Irland".

 

Um es kurz zu machen: Ja, wir sind tatsächlich geflogen. Und ja, ich habe das Buch gekauft.

Freitag, den 31.08.2019

Nachdem ich also - verständlicherweise, denke ich - ein wenig Bedenken hatte, verlief der Flug ohne Probleme und knappe 1,5 Stunden später landeten wir auch schon in Dublin und fuhren mit dem Airlink in die Stadt und zu unserer Unterkunft. Die erste Nacht verbrachten wir hier in einem Hostel.

Da es erst früher Nachmittag war, brachten wir nur kurz unser Gepäck aufs Zimmer und liefen dann los, um uns ein wenig die Stadt anzusehen. Dublin liegt an der Ostküste Irlands und wird durch die "Liffey" praktisch in zwei Hälften geteilt. Alle paar hundert Meter führt eine Brücke über den Fluss, sie sind alle unterschiedlich gestaltet. Woran wir uns nun auch erstmal gewöhnen mussten, ist der Linksverkehr. Jedes mal, wenn wir eine Straße überqueren mussten, standen wir erstmal da und schauten gefühlte 10 mal nachts rechts und links und wieder rechts, bevor wir uns auf die Straße trauten. Die Ampeln waren dabei auch nur begrenzt hilfreich und schienen ohnehin nur für Touristen aufgestellt worden zu sein. Keiner - außer uns natürlich - schien sich in irgendeiner Weise für sie zu interessieren. Sobald die Straße frei war, gingen alle ganz selbstverständlich rüber - egal, ob es sich um eine Hauptverkehrsstraße oder Kreuzung handelte. Wir braven deutschen Touris hielten uns natürlich an die Regeln und waren regelmäßig die einzigen, die noch da standen und warteten, bis endlich grün wurde. Das Phänomen begegnete uns übrigens überall in Irland. Und es ist erschreckend, wie schnell man sich anpasst und es übernimmt - am Ende der 2 Wochen taten wir es den Iren bereits gleich ...

Wir machten uns bei schönstem Wetter also nun auf den Weg. Vorbei an der Christchurch Cathedral und St. Patrick's Cathedral gelangten wir zur Marsh's Library, einer kleinen Bibliothek, die ich mir natürlich genauer anschauen musste. Sie wurde vor über 300 Jahren erbaut und die meisten Bücher stehen noch immer auf den original Regalen aus Eichenholz. Es gibt sogar noch 2 "Käfige": In den mit Gittern versehenen Räumen wurden früher Leser mit den Büchern, die sie lesen wollten, eingeschlossen, um Diebstahl zu verhindern. In der Bibliothek befanden sich auch zwei Ausstellungen: Einmal mit Bildern einer Dubliner Malerin und einmal eine Ausstellung mit dem Titel "The rarest books in the world" - die seltensten Bücher der Welt. In Glaskästen sind 32 Exemplare ausgestellt, die es nur noch ein einziges Mal auf der Welt gibt.

Wir schlenderten weiter durch den Park St. Stephen's Green und die Grafton Street entlang, eine bekannte Einkaufsstraße. Hier vielen ganz krass die Gegensätze ins Auge: Unten die hochmodernen Geschäfte, doch die Wohnungen ab der 2. Etage waren meist völlig heruntergekommen.

An Gino's Eisdiele konnten wir natürlich nicht vorbei gehen. Dort gibt es tolles Eis aus irischer Biomilch und zwar in so tollen Sorten wie z.B. Oreo. Es war nicht ganz billig, aber dafür schaufelte er das Eis regelrecht in die Waffeln. Wir schlenderten weiter und blieben immer wieder stehen, um den vielen Straßenmusikern zuzuhören.

Am Trinity College mit dem berühmten Book of Kells vorbei, gelangen wir schließlich in das Viertel Temple Bar. Fast hatte ich dort ein Hostel gebucht - nun bin ich heilfroh, es nicht getan zu haben. Es ist sozusagen der Party- und Kneipen-Hotspot von Dublin.

Wieder zurück auf der anderen Flussseite, kommen wir am Famine Memorial vorbei. Das Denkmal, bestehend aus lebensgroßen Bronzestatuen, erinnert an die große Hungersnot in Irland von 1845 bis 1851. Diese wurde ausgelöst durch Missernten infolge der Kartoffelfäule, die riesige Mengen des damaligen Hauptnahrungsmittels vernichtete. 1 Millionen Iren starben an den Folgen des Hungers, 2 Millionen wanderten in die USA, nach Kanada oder Australien aus. Genau an der Stelle, an der sich heute das Denkmal befindet, legte 1846 das erste dieser Auswanderungsschiffe in die USA ab. Heute liegt ebenfalls ein Segelschiff hier vor Anker, die Jeanie Johnston. Sie ist eine originalgetreue und fahrtüchtige Nachbildung eines der damaligen Schiffe, das 1847 in Quebec gebaut wurde und 16 mal den Atlantik überquerte, wobei kein einziger Passagier je zu Tode kam. Dies war damals durchaus nicht selbstverständlich, vor allem wenn man bedenkt, dass eine Überfahrt rund 47 Tage dauerte. Heute befindet sich auf der Jeannie Johnston ein kleines Museum; sie dient außerdem als Segelschulschiff.

Famine Memorial
Famine Memorial
Jeannie Johnston
Jeannie Johnston

Es ist bereits recht spät, als wir uns auf die Suche nach einem Restaurant begeben. Da wir uns nicht entscheiden können, bzw. nichts geeignetes finden, fragen wir kurzerhand jemanden, ob er was empfehlen könne. Und was ist seine erste Frage?? Ob es was Vegetarisches sein soll!! Sieht man uns das so sehr an?? Doch es geht gleich weiter mit den Überraschungen: Der junge Mann antwortet uns nämlich auf Deutsch! Wobei er sich doch tatsächlich auch noch für seine schlechte Aussprache entschuldigt, er hätte Deutsch in Österreich gelernt ... Er gibt sich die allergrößte Mühe, überlegt, wo es um die Zeit noch was Nettes zu Essen geben würde, das auch nicht zu teuer ist. Als er uns ein paar Adressen genannt hat, machen wir uns auf den Weg. Ein paar Minuten später, wir warten gerade an einer Ampel, kommt er nochmal angerannt. Er hätte noch ein Restaurant vergessen, ein Vietnamese, hier ganz in der Nähe. Super Essen und auch nicht zu teuer. Wir sind überwältigt von so viel Hilfsbereitschaft, die wir noch ganz oft auf der Reise erleben sollen.

Schließlich entscheiden wir uns für die Slatterys Bar, einen - wie wir später erst herausfinden - sehr bekannten und alteingesessenen Pub. Das Essen - ein Curry - ist lecker und Mama und Hannelore genießen endlich ihr erstes echtes Guinness :-)

Wie es sich für einen echten irischen Pub gehört, dauert es nicht lange, bis ein paar Leute zusammen kommen und die Live-Musik beginnt. Doch irgendwie sind die Unterhaltungen drumherum so laut, dass man davon gar nicht so richtig etwas mitbekommt. Daher bleiben wir auch nicht allzu lange und machen uns schließlich auf zu unserer Unterkunft.

 

Samstag, den 01.09.2018

Heute sind wir schon wieder recht früh auf den Beinen, denn um halb 9 wollen wir den Bus nach Kildare erwischen. Ich bin schon etwas nervös. Nach dem Chaos bei den Buchungen, wird alles klappen? Finden wir die richtige Haltestelle, steigen wir in den richtigen Bus und sind die Tickets wirklich gültig ...? Doch alles geht gut, der Fahrer tauscht die Ausdrucke gegen Fahrscheine ein und wir sinken erleichtert in die Sitze. Etwa 1,5 Stunden dauert die Fahrt. Ich freue mich, aus der Stadt hinaus zu kommen und etwas vom Land zu sehen. Wir folgen Landstraßen vorbei an grünen, von den typischen Steinmauern eingefassten Wiesen und passieren immer wieder kleinere Orte. Die Steinmauern sind übrigens entstanden, da die Wiesen und Felder früher übersäht waren mit Steinen. Um sie landwirtschaftlich nutzen zu können, mussten sie natürlich beseitigt werden. Warum sie also nicht gleich als Zaun verwenden?

In Kildare hält der Bus vor dem Visitor Center und wir beschließen, dort einmal kurz vorbeizuschauen. Und es lohnt sich, denn der nette Herr hinter dem Tresen freut sich sehr über unseren Besuch. Er schaltet sogar extra für uns einen Kurzfilm mit interessanten Infos zu den Sehenswürdigkeiten in Kildare ein. Nach dieser kleinen Einstimmung machen wir uns dann aber endlich auf den Weg zu dem Ziel, weshalb ich unbedingt hierher wollte: In Kildare befindet sich das irische Nationalgestüt! Und das muss ich natürlich besuchen. Wir machen uns also zu Fuß auf den Weg dorthin.

Bevor wir aber das Gestüt besuchen, machen wir noch einen Abstecher in den berühmten Japanischen Garten, der direkt daneben liegt. Ein 20 minütiger Fußweg führt auf schmalen Pfaden hindurch. Er folgt dem Pfad des Lebens und symbolisiert durch verschiedene Elemente wichtige Stationen wie die Geburt, Heirat und den Tod.

Nun geht es aber endlich zum Gestüt. Man kann das Gelände selbst erkunden, oder an einer Führung teilnehmen. Wir entscheiden uns für Letzteres, um möglichst viel zu erfahren. Und das tun wir wirklich! Unser Guide hat unglaublich viel zu erzählen und alles ist interessant - doch es ist so viel, dass ich mir leider bei weitem nicht alles merken kann. Während er etwas über die Geschichte des Gestüts erzählt - auf dem übrigens Vollblüter für den Galopprennsport gezüchtet werden - schlendern wir zur ersten Koppel, auf der 5 Wallache in der Sonne grasen. Als wir näher kommen, kommen auch sie an den Zaun und lassen sich streicheln und mit den mitgebrachten Möhren unseres Guides füttern. Wir erfahren, dass dies die sogenannten "Living Legends" des Gestüts sind, die "lebenden Legenden". Es sind hocherfolgreiche ehemalige Rennpferde, die auf dem Gestüt geboren wurden und nun dort ihr Rentnerleben genießen. Dabei sind sie teilweise noch keine 10 Jahre alt. Am Zaun sind Plaketten mit Infos zu den einzelnen Pferden angebracht. Schon Wahnsinn, wenn man sich vorstellt, was für Berühmtheiten man hier grade über die goldene Nase streicht.

Weiter geht's zur nächsten Koppel, auf der sich die Absetzer befinden. Eine Pflegerin ist gerade bei ihnen und übt das Aufhalftern und Führen.

Auf dem Weg zum Hengststall kommen wir an einem weltkugelartigen Gebilde vorbei. Es handelt sich um ein Denkmal in Erinnerung an den damaligen Gestütsbesitzer, der sich stets 2-3 Tage Zeit nahm, um für jedes neugeborene Fohlen die Sterne zu deuten. Sah das Horoskop vielversprechend aus, behielt er das Fohlen, andernfalls verkaufte er es. Angeblich soll er damit immer richtig gelegen haben.

Der Hengststall selbst ist leer, da sich die Tiere alle auf den umliegenden Koppeln befinden. Jeder Hengst hat leider eine Einzelkoppel, allerdings finde ich es trotzdem absolut toll und bemerkenswert, dass auch diese Tiere täglich raus auf die Weide kommen. Die Boxen und Koppeln sind wirklich riesig für ein einziges Pferd. Und sie haben zumindest stets Sichtkontakt zu den anderen. Wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der Spitzen-Sportpferde in Deutschland nur mal zum Grasen an der Hand raus darf. Auch hier ist an jeder Koppel ein Schild mit Infos zum jeweiligen Hengst angebracht. Während fast alle Decktaxen bei 1.000 EUR beginnen und bei 12.500 EUR enden, übertrifft einer sie alle: Invincible Spirit, der Star des Gestüts. Seine Decktaxe liegt bei sage und schreibe 120.000 EUR!! Und auch er grast wie die anderen Pferde auch friedlich auf seiner Koppel.

Invincible Spirit
Invincible Spirit

Mitten auf dem Gestütsgelände befindet sich noch ein weiterer Garten: der St. Fiachra's Garden. Er umfasst einen See mit wunderschönem Wasserfall und einem Steingemäuer, in das sich früher die Mönche zum meditieren zurückgezogen haben. Zwischen den Bäumen schlängelt sich ein Bach entlang und alles wirkt sehr verwunschen. An einigen Bäumen befinden sich kleine bunte Türen, oft mit winzigen Treppen, Bänken oder Wäscheleinen davor. In diesen Bäumen leben die Feen, die unterschiedliche Aufgaben haben. Es gibt zum Beispiel eine Fee für die Pferde und eine für die Pflanzen. Vor den Türen legen Kinder oft kleine Geschenke wie Münzen oder Süßigkeiten ab.

Es gibt noch weitere magische Orte, z.B. einen Tanzplatz mit Weidenruten. Unser Guide erklärt, dass sich ein Wunsch erfüllt, wenn man um Mitternacht dreimal drum herum tanzt. Damit der Wunsch in Erfüllung geht, gibt es allerdings drei Bedingungen: man muss ihn (unseren Guide) vorher anrufen, ihm erlauben ein Video zu drehen und es später bei Youtube hochzuladen ;-)

Nach der Führung besuchen wir noch das kleine aber interessante Pferdemuseum, das sich ebenfalls auf dem Gestüt befindet. Es beschäftigt sich vor allem mit der Geschichte des Rennsports in Irland.

Da das Wetter herrlich ist und wir bis zur Rückfahrt nach Dublin noch etwas Zeit haben, laufen wir einen anderen Weg zurück in die Stadt. Auf dem Weg gibt es auch noch einiges zu entdecken. Direkt neben dem Gestüt befindet sich die alte Ruine der

Black Abbey, das um 1212 errichtet wurde. Drumherum befindet sich ein alter Friedhof. Die Grabsteine, deren Inschriften man kaum noch entziffern kann, stehen bzw. liegen kreuz und quer auf der verwilderten Wiese.

Ein Stück weiter befindet sich St. Brigid's Well. Der Brunnen ist ein heiliger Wallfahrtsort und in den Bäumen ringsum hängen bunter Bänder, Fotos und Heiligenbilder.

Auf dem Weg in die Stadt kommen wir an einer weiteren Ruine vorbei. Sie befindet sich hinter einer Tierklinik, neben einem Neubaugebiet und gegenüber von Aldi - bei uns hätte man das alte Gemäuer sicherlich schon längst ganz unsentimental abgerissen. Es handelt sich um die Grey Abbey, die 1254 errichtet wurde und nach den grauen Gewändern benannt wurde, die die Mönche dieser Abtei im Mittelalter trugen.

Bevor wir unsere Erkundungstour fortsetzen, nutzen wir die Chance und decken uns beim guten alten Aldi mit Proviant für die nächsten Tage ein. Hier mache ich auch gleich eine ganz wundervolle Entdeckung: Beim irischen Aldi gibt es doch tatsächlich Cadbury-Schokolade (Neuseeland ....)! Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass da erstmal ein Vorrat angelegt wird.

Wir laufen weiter durch Kildare und kommen - nach der Black und Grey Abbey - an der White Abbey vorbei. Die Kirche aus dem Jahr 1290 ist noch sehr gut erhalten.

Schließlich erreichen wir die Kathedrale, die St Brigid's Cathedral. Sie ist von einem hohen Zaun umgeben und am Tor hängt ein Schild mit den Öffnungszeiten: Wir sind leider zu spät dran und wollen schon umdrehen, da öffnet sich die Tür eines Hauses nebenan. Eine ältere Frau kommt heraus und öffnet das Tor - wir sollen uns ruhig umsehen, nur auf den Turm könnten wir jetzt nicht mehr, der hat tatsächlich geschlossen. Wir schlendern über den alten Friedhof, die Grabsteine sind so alt und verwittert, dass man die meisten Inschriften nicht mehr lesen kann. Dann kommen wir zu einer Steintreppe, die nach unten in ein Gemäuer führt. Mama erkennt das Wort "kitchen" auf dem Schild über dem Eingang - das soll die Küche gewesen sein ...? Nun gut, wir steigen hinab in die Dunkelheit und schauen uns so geht es geht um. Es ist dunkel und hier und da befinden sich Einbuchtungen in den Steinwänden ... unheimlich. Wieder draußen les ich mir das Schild genauer durch: Oh man. Wir haben grade nicht die Küche besichtigt, sondern eine steinalte Gruft! "Kitchen" war lediglich der Spitzname ...

Wir schlendern zurück ins Stadtzentrum und fahren nach einem erlebnisreichen Tag mit dem Bus zurück nach Dublin.

Sonntag, den 02.09.2019

Heute Morgen machen wir uns zu Fuß auf den Weg bis zum Park St Stephen's Green, denn von dort soll unser Bus nach Glendalough abfahren. Es ist gar nicht so leicht, unter all den mehr oder weniger ausgeschilderten Bushaltestellen unsere zu finden, aber mit ein bisschen nachfragen schaffen wir es. Die Fahrt nach Glendalough dauert etwa 1,5 Stunden und führt durch eine grüne, typisch irische Landschaft. Teilweise sind die Straßen extrem schmal und wir können kaum glauben, dass tatsächlich zwei Reisebusse aneinander vorbei passen. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto nervöser werde ich. Ich habe das System des Busfahrens in Irland noch immer nicht ganz geblickt: Muss ich hier jetzt auf einen Knopf drücken, damit der Fahrer anhält? Aber woher soll ich denn bitte ohne Ansage wissen, dass die nächste Haltestelle meine ist? Oder soll ich dem Fahrer Bescheid sagen? Oder hält er von sich aus an jeder Haltestelle? Nein, tut er nicht, wie sich schnell herausstellt, als wir an der Endhaltestelle halten. Eigentlich hätten wir eine Haltestelle vorher raus gemusst ... aber kein Problem, es sind ja nur etwa 20 Minuten Fußweg zurück. Wir wollen schon mit unseren Koffern losmarschieren, als uns der Busfahrer hinterherruft, wo wir denn hin müssten. Als er hört, dass wir eine Haltestelle zu spät ausgestiegen sind, lädt er uns kurzerhand wieder ein und fährt uns die eine Station wieder zurück - mit dem riesigen Reisebus auf der engen Straße! Wir staunen mal wieder über die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Iren. Von der Haltestelle aus sind es nur etwa 10 Minuten zu Fuß bis zu unserem B&B, der Pinewood Lodge. Es geht allerdings steil bergauf. Doch die Mühe lohnt sich: Die Lodge liegt direkt am Wald, zurückgesetzt von der Straße. Herrlich! Es ist erst mittags und unsere Zimmer daher noch nicht fertig, doch wir dürfen unser Gepäck schon mal abstellen, um die Gegend zu erkunden. Also laufen wir zu Fuß wieder hinunter zur Straße und folgen ihr in Richtung Visitor Center, wo der Bus zuerst angehalten hatte.

die wunderschöne Pinewood Lodge
die wunderschöne Pinewood Lodge

Glendalough heißt auf Deutsch "das Tal der zwei Seen" - und das ist es wirklich. Der Ort liegt in den Wicklow Mountains und ist an sich sehr klein, dafür ist die ehemalige Klostersiedlung umso bekannter. Auch als wir Sonntag Mittag am Besucherzentrum ankommen, wimmelt es nur so von Menschen. Doch die meisten halten sich nur im Bereich der Ruinen und an den beiden Seen auf; wenn man weiter hinaus und hinauf wandert, ist man schnell wieder allein.

Aber langsam, so weit sind wir ja noch gar nicht. Zuerst ist es einmal interessant zu wissen, wie Glendalough überhaupt entstand. Im 5. Jahrhundert kam der Heilige Kevin in das Tal. Er suchte einen Ort, wo er abgeschieden in der Natur leben konnte. Sieben Jahre lang schlief er auf Steinen, ernährte sich von Pflanzen kleidete sich in Tierfelle. Dann war es mit seiner Ruhe vorbei, denn andere Jünger waren so angetan von dem Ort und der Lebensweise des Mönchs, dass sie sich ebenfalls dort niederließen. Die Siedlung wuchs und wuchs und war im 9. Jahrhundert eine der bedeutendsten Klostersiedlungen Irlands. Es heißt, der Heilige Kevin wurde 120 Jahre alt.

Heute sind von der Siedlung nur noch Ruinen übrig, die allerdings teilweise noch sehr gut erhalten sind. Zum Beispiel der 33 Meter hohe Rundturm: Er steht noch genau so da wie vor über 1.000 Jahren - nur das Dach musste 1876 nach einem Blitzschlag erneuert werden.

Zwischen den Steingebäuden stehen überall alte, aber auch noch nicht so alte Grabsteine.

Um Glendalough herum gibt es verschiedene Wanderwege. Wir suchen uns für heute eine Strecke aus, die uns zunächst durch das Tal am linken Ufer der beiden Seen entlang führt. Dann biegen wir nach links in den Wald ein und es geht stetig bergauf. Ich hätte nie gedacht, dass Irland so bergig ist! Ich hab es mir immer flach vorgestellt, mit grünen Wiesen und Schafen ... aber hier komm ich mir zeitweise vor wie in Kanada, als wir oben ankommen und durch die Bäume hinunter auf die Seen und das Tal schauen. Es ist wunderschön. 

Blick auf den Upper Lake
Blick auf den Upper Lake

Wir wandern oben am Bergkamm entlang durch den Wald, der aber immer lichter wird und immer wieder tolle Ausblicke bietet. Am Wegesrand wachsen gelb blühender Stechginster und lila blühendes Heidekraut (was macht das denn hier?) die perfekt zum blauen Himmel passen.

Bald geht es wieder durch den Wald hinunter ins Tal. Rechts entdecken wir einen Pfad, der durchs Gebüsch auf eine Lichtung mit einer weiteren Ruine führt. Da müssen wir natürlich hin. Es handelt sich um St. Saviour's Priory, einer romanischen Kirche mit noch erhaltenen Torbögen und zahlreichen Verzierungen, die in den Stein eingraviert wurden.

Die Ruine liegt auf einer Lichtung neben einem Bach. Da wir nicht den ganzen Weg zurück hoch in den Wald laufen wollen, versuchen wir, am Bach entlang über die Wiese abzukürzen. Womit wir allerdings nicht gerechnet haben ist, dass es sich um einen Sumpf handelt ... während Hannelore mit Ihren Walking-Stöcken mutig voran schreitet und das Terrain testet, versinke ich mehrmals bis zum Knie im Schlamm. Schließlich kommen wir aber doch wohl behalten zurück auf den Wanderweg und bald darauf wieder am Visitor Center an.

Zurück in Laragh lassen wir den Tag bei leckerer Pasta im Wicklow Heather Restaurant ausklingen, bevor wir uns auf den Weg zur Lodge machen. Nach unserem kleinen einfachen Hostelzimmer kommt uns unsere Unterkunft hier wie der reinste Luxus vor: Ein großes Zimmer, riesige Betten, unzählige Betten, ein tolles Bad ... so kann der Urlaub weitergehen :-)

Montag, den 03.09.2018

Wie bereits gesagt, habe ich bisher noch nie in B&B Unterkünften übernachtet - und bin dementsprechend platt, was uns hier ganz selbstverständlich als Frühstück geboten wird. An Müsli, Brot, Obst und Joghurt kann man sich frei bedienen und zusätzlich noch ein warmes Frühstück von der Karte wählen. Ich entscheide mich für Pancakes, könnte aber auch typisch irisches Frühstück mit Eiern, Schinken, Würstchen, Bohnen und Tomate wählen. Nein danke. Das Brot ist übrigens frisch gebackenes Soda-Bread. Und dazu gibt's Kaffee und Tee - und zwar nicht eine Tasse, sondern eine Kanne.

Nach diesem mehr als ausgiebigen Frühstück sind wir definitiv bestens gestärkt für die nächste Wanderung. Der Weg beginnt direkt hinter der Lodge im Wald und folgt zunächst dem Wicklow Way, einem Fernwanderweg. Da wir uns nun ja schon oben auf dem Berg befinden, haben wir eine tolle Aussicht auf die Landschaft ringsum. Immer wieder bleiben wir stehen und machen Fotos. Es ist unglaublich still hier oben, kein Mensch, kein Auto, kein Flugzeug.

Durch den Wald geht es dann hinunter. Wir überqueren die Straße und laufen am Lower Lake entlang bis zum Upper Lake. Am Ufer ist es ziemlich windig.

Wir laufen ein Stück um den See herum bis zur anderen Seite, wo sich eine alte Bootsanlegestelle befindet. Die mir seltsam bekannt vorkommt. Und tatsächlich: Es ist genau die Stelle, wo Paddy Kelly sein Video zu "Safe Hands" aufgenommen hat! Als ich das Video damals das erste mal gesehen habe, gefielt mir der Ort so gut, dass ich wusste: Wenn ich nach Irland komme, will ich unbedingt in diesen Nationalpark. Und jetzt stehe ich sogar an genau dieser Stelle! Aber seht selbst:

Diese Stelle scheint bei Musikern generell sehr beliebt zu sein, denn auch Johnny Logan war schon da:

Wir wandern weiter durch den Wald, bis wir an einen Bach kommen. Laut Karte führt unser Weg hinüber und es liegen auch ein paar Steine im Wasser - soll das die Brücke sein? Da auf der anderen Seite aber eingezäunte Privatgrundstücke liegen, bleiben wir auf unserer Seite und laufen zurück nach Glendalough. Auf dem Weg machen wir noch einen Abstecher zu einer weiteren Ruine.

Da wir noch etwas Zeit haben und nach dem gestrigen Buserlebnis nicht sicher sind, ob er nun wirklich auch an allen Haltestellen hält, holen wir unser Gepäck aus der Lodge, laufen dann wieder zurück zum Visitor Center und fahren von dort mit dem Bus zurück nach Dublin.

Dort steigen wir wieder am Park St. Stephen's Green aus und laufen die Grafton Street, die bekannte Einkaufsstraße, zurück Richtung Hostel. Unterwegs kommen wir an Gino's Gelato vorbei, einem Eiscafé. Hier gibt's Eis aus irischer Bio-Milch und so tolle Sorten wie Oreo ... das müssen wir natürlich probieren. Ganz billig ist es nicht, aber dafür bekommt man nicht nur eine kleine Kugel, sondern eine regelrechte Schaufel Eis auf sein Hörnchen! Und einen Schokostick oben drauf. Hmmm :-)

Als wir schließlich an unserem Hostel ankommen, oder besser gesagt dort in der Nähe, staunen wir nicht schlecht. Der komplette Bereich ist wegen einer Großveranstaltung abgesperrt und wir müssen um den kompletten Block herum laufen, bis wir einen Eingang zu unserer Unterkunft finden. Die Dubliner Football Mannschaft hat wohl einen recht bedeutenden Sieg errungen und genau vor unserem Fenster auf dem Platz ist eine riesige Bühne mit Live-Musik aufgebaut. Was für ein Kontrast zu der Ruhe und Natur, die wir noch vor ein paar Stunden genießen konnten ...

Blick von unserem Balkon
Blick von unserem Balkon

Dienstag, den 04.09.2018

Heute steht uns eine längere Busfahrt bevor: Wir fahren von Dublin aus einmal quer über die Insel bis in den Südwesten, nach Killarney. Um 10 nehmen wir den Bus und kommen gegen 13:45 Uhr in Cork an, wo wir umsteigen müssen. Die kurze Pause nutzen wir, um uns bei Subway ein Sandwich zu holen. Und ich bin leicht überfordert. Es gibt zwar vegetarische Varianten, aber damit ist es ja noch lange nicht getan. Ein ganzes Baguette oder ein halbes? Das Brot mit Körnern oder ohne, hell oder dunkel? Welchen Salat? Und welche der mindestens 10 verschiedenen Soßen? Meine Güte, wir müssen unseren Bus kriegen ...! Irgendwann hab ich einfach nur noch irgendwas genommen. Zum Glück werden wir doch noch pünktlich fertig und kriegen unseren Anschlussbus, der uns in weiteren 1,5 Stunden bis nach Killarney bringt. Dort machen wir uns als ersten auf den Weg zur Kingfisher Lodge, unserer Unterkunft. Unser Zimmer mit Bad ist wieder sehr geräumig und es gibt sogar einen kleinen Aufenthaltsraum mit viiieelen Büchern. Aber am besten sind die Hunde, zwei Labradore. Sie schmeißen sich direkt vor uns auf den Boden und lassen sich kraulen.

Wir legen nur kurz unsere Sachen ab und machen uns gleich wieder auf den Weg, um ein wenig die Gegend zu erkunden. Im Ort besuchen wir zunächst das Franziskanerkloster aus den Jahren um 1860 mit seinen beeindruckenden Buntglasfenstern.

 

Weiter geht's in einen weitläufigen Park, in dem sich auch das Kenmare House befindet, in dem 1861 bereits Königin Victoria ihren Urlaub verbrachte.