Into the wild ...

Alaska ... Schnee, Eis und Kälte, das waren die ersten Worte die wir meist zu hören bekamen wenn wir erzählten, wohin uns unsere nächste große Reise führen sollte. Die erste Frage war meist die nach den Temperaturen. Was durchaus seine Berechtigung hat, verschwindet der nördlichste und mit Abstand größte Bundesstaat der USA doch für den größten Teil des Jahres unter einer dichten Schneedecke. Die Sommer sind kurz, dafür aber intensiv mit nicht selten bis zu 30°C.

 

Es war schon lange mein Traum, einmal nach Kanada zu reisen. Endlose Wälder, unzählige Seen, wilde Tiere, Natur und Menschenleere. Aber Alaska ... ? Daran hatte ich nie gedacht, das schien immer noch eine Ecke wilder ... abenteuerlicher ... gefährlicher ... .Doch dann kam Dirk. Und sein Dia-Vortrag über seine Reise auf dem Yukon. Vor 5 Jahren war er mit einem selbst gebauten Kanu aus Birkenrinde rund 3000 Kilometer von den Quellseen bis zum Beringmeer gepaddelt, hatte im Anschluss ein Buch darüber geschrieben und Dia-Vorträge gehalten. Und in Zusammenarbeit mit Travel Beyond eine Reise zum und auf dem Yukon ausgearbeitet, die auch von "ganz normalen" Menschen zu bewältigen sein sollte.

 

Bereits 2008 waren wir ja mit Dirk und Henning (von Travel Beyond) nach South Dakota zu den Lakota gereist, was ein absolut unvergessliches Erlebnis war. Also trug ich mich wie damals einfach mal unverbindlich in die Interessentenliste ein ... und nach einigem hoffen und bangen, ob uns nicht doch noch ein Strich durch die sorgfältig aufgestellte Rechnung gemacht werden sollte, stand es schließlich fest: meine Mutter, Hannelore (die ebenfalls mit in South Dakota gewesen war), Annika und ich würden dabei sein!!

 

Nun ging es ans Planen und Packen und Organisieren. Keiner von uns hatte in irgendeiner Weise Kanuerfahrung. Meine Mutter und ich schafften grade noch so einen Kurztrip auf der Wupper, bevor mein Pony Feivel mir den Daumen brach und mich für die nächsten Wochen lahm legte. Hannelore hatte eine Probetour auf der Lahn unternommen, die ihren Erzählungen zufolge sehr an eine "Kreuzfahrt" erinnerte (von einem Ufer zum anderen). Als sie dann dem Chef des örtlichen Kanuvereins von ihren Yukon-Plänen erzählte, erlitt er fast einen Nervenzusammenbruch und beschimpfte das Vorhaben als unverantwortlich. Mit einer Gruppe blutiger Anfänger auf den Yukon ... er war wohl überzeugt, keiner von uns würde von diesem Trip heil zurück kommen. Selbst dagewesen sei er allerdings noch nicht.

 

Nun ja, schauen wir mal, wie es uns tatsächlich ergangen ist ....

30.07.2015

Eine mehr als kurze Nacht lag hinter uns, als morgens gegen drei Uhr der Wecker klingelte. Ich hatte noch bis kurz nach Mitternacht meine Sachen gepackt, viel Zeit zum Schlafen war da nicht geblieben.

Gegen halb 8 mussten wir am Flughafen sein. Unser Flug ging zwar erst um 11:15 Uhr, doch für Reisen in die USA muss aufgrund der umfangreichen Sicherheitskontrollen immer extra viel Zeit eingeplant werden.

Wir holten also noch Annika und Hannelore ab, quetschten uns und das Gepäck ins Auto und trafen pünktlich am Flughafen ein. Sogar das Parken klappte auf Anhieb - in Frankfurt für uns keine Selbstverständlichkeit, wie die vergangenen Jahre gezeigt hatten ...

Nach dem Check-in blieb noch Zeit für ein kurzes Frühstück, dann ging es auch schon weiter. Bei der Kontrolle des Handgepäcks wurde mein Rucksack durchsucht und etwas überaus verdächtiges gefunden: mein Fernglas. Glücklicherweise wurde es dann doch als harmlos eingestuft und durfte mit.

Als wir am Gate auf unseren Abflug warteten, stieg die Spannung erneut: der Flug war überbucht, es wurde nach Freiwilligen gesucht, die für eine angemessene Entschädigung auf einen späteren Flug ausweichen sollten. Diese Entschädigung bestand aus 600€ sowie einer Übernachtung in Frankfurt. Nach einigem hin- und her fanden sich ausreichend mehr oder weniger Freiwillige und unsere Maschine startete mit einer halben Stunde Verspätung. In einer Höhe von rund 11 000 Kilometern, bei einer Geschwindigkeit von 827 km/h und -53°C Außentemperatur ging es über Dänemark, Norwegen und Nordgrönland zunächst nach Anchorage, wo wir nach 8,5 Stunden zwischenlandeten. Kurz vorher erlebten wir noch ein Highlight der besonderen Art: Wir überflogen unter anderem den Denali (auch als Mount McKinley bekannt), Nordamerikas höchsten Berg. Aufgrund der guten Wetterlage und da wir trotz der anfänglichen Verspätung gut in der Zeit lagen, erhielt unser Pilot die Erlaubnis, eine extra-Runde über diesen imposanten Berg zu fliegen! Es war beeindruckend, so nah über die schneebedeckten Gipfel zu gleiten, die aus der dichten Wolkendecke in den Himmel ragten.

Blick auf den Denali (Mount McKinley)
Blick auf den Denali (Mount McKinley)

Nach dem kurzen Zwischenstopp in Anchorage ging es dann noch eine Stunde weiter bis nach Fairbanks. Dort trafen wir auf die Teilnehmer der ersten Reisegruppe, die mit der gleichen Maschine wieder zurück nach Frankfurt fliegen würden. Alle sahen noch recht unversehrt und ziemlich glücklich aus, was unsere Bedenken bezüglich unseres angeblich so unverantwortlichen Vorhabens etwas milderte. Und alle schwärmten in höchsten Tönen von Dirks vorzüglichen Kochkünsten ... die Spannung bei uns wuchs, was uns in den nächsten zwei Wochen erwarten würde.

Zwischenstop am Flughafen von Anchorage
Zwischenstop am Flughafen von Anchorage

Nachdem wir alle unser Gepäck eingesammelt hatten, wurden wir in der Ankunftshalle von Dirk begrüßt. Er hatte grade die erste Gruppe verabschiedet und nahm nun direkt die nächste in Empfang. Als wir aus dem Gebäude hinaus auf die Straße traten, erwarteten uns Platzregen und ein heftiges Gewitter. Das waren ja wunderbare Voraussetzungen für eine Kanutour ... glücklicherweise verzog sich das Unwetter nach kurzer Zeit wieder. Dirk holte den Van, wir luden unser Gepäck auf den Anhänger und los ging's zum Best Western Plus Pioneer Park Inn, unserer Unterkunft für die ersten beiden Nächte.

Kaum hatten wir eingecheckt und die Zimmer in Beschlag genommen, waren Annika und ich bereits wieder draußen, um ein wenig die Umgebung zu erkunden. Ein Pfad führte uns durch ein lichtes Wäldchen zum Chena River, der irgendwo und irgendwann in den Yukon mündet. Wir liefen weiter durch den Pioneer Park, einem Freizeitareal mit Ausstellungen, kleinen Geschäften und Restaurants, das vor allem für die Einwohner von Fairbanks errichtet worden war, als Erinnerung an die bewegende Geschichte ihres Landes. Dort fand wenig später auch unser erstes gemeinsames Abendessen statt, bei dem sich alle ein wenig kennen lernen und von ihren Erwartungen und Vorstellungen von der Reise erzählen konnten. Anschließend ging es zeitig ins Bett. Den meisten steckte die Zeitverschiebung merklich in den müden Knochen und am nächsten Tag war noch einiges zu erledigen, bevor das große Abenteuer am Samstag endlich beginnen sollte ...

im Pioneer Park
im Pioneer Park

31.07.2015

Die erste Nacht war bei fast allen vom Jetlag geprägt. Wir waren bereits gegen 8 ins Bett gegangen, ich wachte jedoch mehrmals auf und dachte ich müsste aufstehen, da es ja schon hell war ... in Wirklichkeit war es auch abends um 11 und sogar nachts um 2 noch dämmrig ... nicht zu überbieten war jedoch Hannelore: sie stand bereits eine halbe Stunde nach dem Schlafengehen wieder im Bad, um sich zum Frühstück fertig zu machen ...

Als wir uns dann am nächsten Morgen tatsächlich beim Frühstück trafen, mussten wir unsere deutschen Gewohnheiten erst einmal beiseite legen und uns an ein Frühstück made in USA gewöhnen. Hier lag der Schwerpunkt eindeutig auf süß. Egal ob es einfaches Kakaopulver, Haferflocken oder Müsli war, alles schien zu mindestens 80% aus Zucker zu bestehen.

Nach dem Frühstück hatten wir noch etwas Zeit und machten uns noch einmal auf zum Chena River. Ulrike hatte dort früh morgens schon Biber beobachten können, vielleicht hatten wir ja auch Glück. Und tatsächlich: Wir sahen gleich mehrere dieser fleißigen Baumeister.

Wieder zurück im Motel trafen wir uns um 10 Uhr, um die letzten Besorgungen zu erledigen, bevor wir für ca. eine Woche der Zivilisation entfliehen würden. Zunächst ging es zum Prospector, einem sogenannten Outfitter, bei dem man so ziemlich alles bekommt, was man für einen Aufenthalt in der Wildnis braucht. Einige brauchten noch ordentliche Regenkleidung und auch ich erwarb ein neues Paar Gummistiefel. Aber nicht irgendwelche, sondern die original alaskanischen "Xtra Tufs", die dort bereits Kultstatus besitzen. Allein dieser Umstand hätte mich noch nicht zum Kauf bewogen. Allerdings sind diese Stiefel tatsächlich etwas Besonderes, da sie durch eine spezielle Verarbeitung sehr angenehm zu tragen sind, man damit über praktisch jeden Untergrund laufen kann, sie dabei den Knöchel extra schützen und meine Variante zusätzlich gegen Kälte isoliert ist. Bin gespannt wie sie sich im nächsten Winter bewähren, wobei ich denke dass die Voraussetzungen mehr als gut sind, wenn sie nach alaskanischen Maßstäben hergestellt wurden ...

Zusätzlich erstanden wir noch eine Pfeife, die uns im Notfall bei Bärenbesuchen oder anderen unliebsamen Begegnungen beschützen sollte. Wer in Alaskas Wäldern unterwegs ist muss ständig damit rechnen, dass plötzlich ein Grizzly oder Schwärzbär seinen Weg kreuzt. Je nach dem um welche Art es sich handelt, werden verschiedene Verhaltensregeln empfohlen. Generell soll man sich beim Wandern durch Bärengebiete bemerkbar machen (singend, pfeifend, laut redend), damit die Tiere frühzeitig gewarnt werden, dass sich ein Mensch nähert und sie das Weite suchen können. Viele tragen zu diesem Zweck auch sogenannte Bärenglocken am Rucksack. Allerdings habe ich von einer Rangerin gelesen die vor deren Gebrauch gewarnt hat, da die Bären inzwischen so an das Geräusch gewöhnt seien dass es ihnen eher signalisiert: "Hallo, hier kommen Menschen, da gibt's sicher was zu futtern!" Erfolgversprechender seien da schon spezielle und extrem laute Pfeifen, die im Falle eines Zusammentreffens den Bären eher in die Flucht schlagen würden. Eine solche legten meine Mutter und ich uns also noch zu.

Anschließend ging's zum Lunch ins Big Daddy's Barbecue. Von außen eher unscheinbar, wenn nicht gar heruntergekommen, war in seinem Innern sozusagen der Bär los. Ich bestellte eines der wenigen fleischlosen Gerichte, welches aus Nacho Chips und Salat bestand. An sich ja ganz lecker. Wenn das alles nicht vor Käse getrieft hätte .... was lernen wir daraus? Beim nächsten Mal wieder Salat mit Pommes!

Nach dem Essen ging es weiter, Kaffee kaufen. Für die Zeit auf dem Fluss und die gesamte Mannschaft. Ok, auch hier musste ich mal wieder auffallen als ich mich als einziger aus der Gruppe als Teetrinker outete. Wobei ich damit nachher doch nicht mehr ganz alleine da stand. Der Kaffee wurde nicht einfach im Walmart nebenan gekauft, nein, dafür ging's nach North Pole. Der Nordpol ist ja bekanntlich die Heimatadresse des Weihnachtsmannes und so hoffte man, dass sich hier zahlreiche Spielzeughersteller neiderlassen würden mit dem Ziel, ihre Produkte mit dem Zusatz verkaufen zu können, dass sie in der Heimat des Weihnachtsmannes hergestellt worden seien. So ganz ging der Plan dann doch nicht auf, doch der Geist der Weihnacht ist hier doch das ganze Jahr über spürbarer als anderswo. So ist auch die Kaffeerösterei im Hochsommer weihnachtlich geschmückt.

Anschließend ging es noch zum Rei Store, einem weiteren Outfitter, und schließlich zum Walmart, dem gigantischen, amerikanischen Supermarkt, in dem man von Obst und Nüssen über Haushaltswaren, Souvenirs und Waffen einfach alles bekommt und wo sich monströse Vorratspackungen von fast allem in meterhohen Regalen stapeln.

Hier fand ich auch zum ersten Mal die berühmten Peanutbutter M&Ms, von denen ich schon viel gehört, die ich aber bisher leider noch nie näher kennen gelernt hatte ...

Wieder auf dem Parkplatz wunderten wir uns über den seltsamen Nebel und den Geruch nach ... Feuer. Dirk erklärte uns, dass die Ursache dafür riesige, teilweise sehr weit entfernte Waldbrände seien. Jedes Jahr im Sommer werden riesige Waldflächen in Alaska durch Feuer vernichtet, die meist durch Blitzschlag entstehen. Es wird nur in seltenen Fällen eingegriffen und vor allem dann, wenn Siedlungen akut bedroht sind. Diese Brände können einerseits viel zerstören, andererseits spielen sie eine wichtige Rolle im Kreislauf der Natur, da sie die Böden reinigen und ihre Asche wie eine Art Dünger wirkt.

Wieder zurück im Motel bekamen wir unsere Packsäcke: das sind große, 110 Liter fassende, wasserdicht verschließbare Rucksäcke. Zunächst standen wir noch ein wenig ratlos davor und versuchten uns eine Strategie zum sinnvollen Packen zurechtzulegen. Ganz schnell und spätestens auf dem Fluss wurde aber klar, dass man am einfachsten alles einfach in den Sack schmeißt und später wieder rauskramt, was man braucht. An wirkliche Ordnung war darin nicht zu denken, es sei denn jemand hatte in weiser Voraussicht Packbeutel mitgebracht, in die einzelne Dinge systematisch verstaut werden konnten. Zur Not taten es auch ein paar Müllsäcke.

Um 6 Uhr ging es erneut nach Nort Pole, diesmal allerdings nicht zum Kaffeekaufen, sondern zu den Kanus. Diese, sowie die weitere Ausrüstung wie Paddel und Schwimmwesten, mieteten wir bei Alaska Dream Adventures, deren Angestellten uns am nächsten Tag auch zu unserem Startpunkt nach Eagle transportieren und am Ende in Circle wieder abholen würden. Zunächst ging es aber darum, uns ein wenig mit den Booten sowie unseren Paddelpartnern vertraut zu machen, wozu uns ein angrenzender Baggersee zur Verfügung stand. Unsere Gruppe bestand insgesamt aus 12 Leuten, 7 Frauen und 5 Männer. Da die Männer in der Regel doch ein wenig kräftiger sind bzw. beim Paddeln mit mehr Muskelkraft arbeiten, hatte Dirk den Plan, immer einen Mann und eine Frau zusammen in ein Boot zu setzen. Ein reines Frauenboot würde es allerdings auch geben, sonst ging die Rechnung ja nicht auf. Ich fuhr mit Wolfi, Annika mit Nik, Hannelore mit Henning und Mama hatte das große Los gezogen: Sie saß mit Dirk in einem Boot und durfte sich dafür ständig nette Kommentare anhören, dass sie ja nichts tun bräuchte da vorne ...

Wir bekamen also eine kurze und knackige Einweisung, wie das denn nun geht mit dem Paddeln (keiner von uns hatte wirklich Erfahrung) und dann ging's auch schon los in Wasser. Erstaunlich, wie schnell man doch vorwärtskommt mit so einem kleinen Boot! Es klappte bei allen recht gut und wir bekamen sogar noch Besuch von einer Bisamratte.

Als alle wieder sicher an Land waren, wurden die 6 Kanadier samt Ausrüstung auf einen Anhänger verladen und es ging zurück ins Motel.

die Kanus und das Gepäck werden verladen
die Kanus und das Gepäck werden verladen

01.08.2015

Eigentlich sollte es heute um 8 Uhr los gehen - daraus wurde dann fast 9. Aber was soll's, wir haben ja Zeit und fast alle das Phänomen der Indian Time noch gut im Kopf, also immer mit der Ruhe.

Dann war es aber doch endlich so weit. Wir holten noch ein Satellitentelefon ab und stoppen schnell beim Walmart, dann trafen wir auf unsere Fahrer und den zweiten Van von Alaska Dream Adventures. Für die rund zehnstündige Fahrt bis nach Eagle, von wo unsere Kanutour starten sollte, konnten wir uns also auf zwei Wagen verteilen. Nun ging es also los, hinaus aus der Stadt und hinein in die Wildnis! Zunächst folgten wir dem Richardson Highway - Alaskas ältestem Highway, der Fairbanks mit Valdez im Süden des Landes verbindet - bis nach Delta Junction, wo wir eine kurze Pause einlegten. Hier endet der - neben der Route 66 - wohl berühmteste Highway der Vereinigten Staaten: der Alaska Highway. Er beginnt in Dawson Creek, British Columbia, und verläuft in 1422 Meilen (oder 2288 Kilometern) bis hierher. Er wurde 1942 innerhalb von nur 8 Monaten nach dem Luftangriff auf Pearl Harbor erbaut und diente ursprünglich rein militärischen Zwecken.

Der nächste Ort auf unserer Route war Tok, wo wir eine weitere Pause einlegten und zu Mittag aßen. Während die anderen riesige Hamburger verdrückten - bzw. sich die Reste einpacken ließen, was in den USA absolut normal ist (und auch bei uns zum Standardangebot gehören sollte!) - hielt ich mich an Pommes und Salat, eindeutig eine gute Wahl. Während man bei uns dann oft drei labbrige Kartoffelstäbchen an zwei angewelkten Salatblättern erwarten kann, durfte ich mich dort an der Salatbar frei bedienen und hatte sogar die Wahl zwischen verschiedenen Pommessorten! Es wurden dann die seasoned curly fries, geringelte Pommes, die man bei uns viel zu selten findet.

Nach dem Essen ging es - noch nicht ganz - weiter. Zunächst wurde auf dem Parkplatz eine Runde Frisbee gespielt, um die grade erst angefutterten Kalorien direkt wieder zu verbrennen - für meine Mutter endete dies allerdings mit einer ziemlich dicken Lippe, noch bevor das Spiel überhaupt erst richtig angefangen hatte. Ob wir damals schon hätten ahnen können, dass es nicht bei einer Lippe bleiben würde ...?

Auf der Weiterfahrt stachen immer wieder leuchtend pinke Gewächse am Straßenrand ins Auge. Dabei handelt es sich um das sogenannte "Schmalblättrige Weidenröschen" - oder auch einfach fireweed. Diesen in Alaska und Kanada gebräuchlichen Namen verdankt es dem Umstand, dass es sich besonders schnell auf von Waldbränden zerstörten Flächen ausbreitet.

Außerdem soll man am Stand der Blüten zuverlässig ablesen können, wie weit der Sommer schon vorangeschritten ist ...

Neben diesen hübschen Farbtupfern vielen mir auch die Fichten auf. Irgendwie hatte ich mir Alaska dunkler vorgestellt, mit tiefen, undurchdringlichen Wäldern und riesigen Bäumen ... tatsächlich ist es sehr hell und licht, die Bäume sind häufig kahl und nicht besonders hoch. Das liegt zum einen daran, dass durch die vielen Waldbrände jedes Jahr riesige Flächen Wald vernichtet werden, zum anderen aber auch an der nur sehr kurzen Vegetationsperiode, in der den Pflanzen nicht allzu viel Zeit zum wachsen bleibt.

Wir folgten dem Taylor Highway bis nach Chicken, wo wir ebenfalls kurz stoppten. Die Einwohnerzahl schwankt hier zwischen 50 (im Sommer) und 6 (im Winter). Der kleine Ort entstand, als dort 1886 Gold gefunden wurde und der Stadtkern ist heute sozusagen ein lebendiges Goldrauschmuseum. Wir hatten lediglich Zeit für einen Besuch der Plumpsklos und ein Foto des alten Goldgräberbaggers, dann ging es auch schon weiter auf die letzte Etappe ...

Der letzte zu bewältigende Straßenabschnitt (rund 3 Stunden) war nicht mehr asphaltiert, sondern bestand aus einer Schotterpiste. Was unsere Fahrer in keinster Weise davon abhielt, wie bisher um die Kurven zu brettern und trotz voll beladenem Kanuanhänger andere zu überholen (wenn man denn mal auf jemanden traf, den man überholen konnte). Unterwegs entdeckten wir mehrere Karibus und waren schließlich um halb 8 am Ziel: Eagle. Der Highway endete praktisch direkt am Yukon, sodass er sich in seiner vollen Größe und Schönheit vor uns ausbreiten konnte. Und uns alle erstmal ganz klein und still werden ließ. Was hatten wir nur getan...? Was machten wir hier...? Auf diesem Fluss, in dieser Strömung, sollten wir schon morgen früh unterwegs sein ...? Langsam wurden einzelne Stimmen hörbar die bemerkten, auf der Aida solle man ja auch ganz tolle Urlaube verbringen können ... und überhaupt ... Mallorca sei ja auch nett ...  Genau hier war auch der Zeitpunkt, an dem Annika und ich endgültig beschlossen, dass wir wenn dann gemeinsam untergehen würden. An dieser Stelle nochmal ein Danke an Dirk, dass er seine ursprüngliche Planung über Bord geworfen und uns doch hat zusammen fahren lassen!

Und spätestens nach der abendlichen, absolut filmreifen Demo, wie der einzig wahre und inzwischen schon legendäre Monster Trail Mix hergestellt und -wichtig! - korrekt verzehrt wird, hatten wir alle das Gefühl: allein diese einzigartige Kreation aus Nüssen und M&Ms würde dafür sorgen, dass wir genug Energie für mindestens die doppelte Strecke haben würden ...

Die Nacht verbrachten wir in einem wunderschönen Bed & Breakfast, dem Falcon Inn. Die Besitzer, Charlie und Marlys House, erbauten es 1995. Es besteht komplett aus Holz, mit vielen Winkeln, Erkern, Terrassen und Panoramafenstern. Schon von außen ist es ein Traum, aber ist man erst einmal drinnen, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Alles ist liebevoll eingerichtet und dekoriert, es gibt Schaukelstühle und Bücher und wunderschöne Decken.

Wenn man dies alles sieht und bestaunt kann man kaum glauben, was am 3. Mai 2009 geschah ... nach einem besonders harten Winter brach das Eis des Yukon wie jedes Jahr um diese Zeit auf. Allerdings taute es ungewöhnlich schnell, sodass der Wasserpegel des Yukon rapide anstieg. Das allein hätte wohl noch nicht zu einer Katastrophe geführt. Allerdings stauten sich ein paar Kilometer flussabwärts Unmengen an Eisschollen, wodurch eine regelrechte Flutwelle ausgelöst wurde und das Falcon Inn über 20 Meter nach hinten schob. Auch viele andere Gebäude und Autos in Eagle wurden durch das Eis und die Flutwelle stark beschädigt oder vollkommen zerstört.  Eagle Village, ein benachbartes indianisches Dorf, existiert heute nicht mehr.

Umso bemerkenswerter ist es, dass die Menschen hier am Fluss dennoch nicht aufgeben, sondern wieder aufbauen, was zerstört wurde und weitermachen, solange es geht.

02.08.2015

Dieser Morgen startete mit der vorerst letzten warmen Dusche - von nun an würden wir uns für rund eine Woche mit kaltem, sandigen, herrlichen Yukon-Wasser begnügen müssen. Bevor es nun aber endlich los zu den Booten ging, stärkten wir uns erstmal in der gemütlichen Küche. Marlys, die Besitzerin des Falcon Inn, war gekommen und bereitete uns nun ein traumhaftes Frühstück aus Tee, Kaffee, Toast, selbstgemachter Marmelade und frisch gebackenem Blaubeerkuchen ... kann ein Tag besser starten?

Als alle satt und zufrieden waren, hieß es leider schon wieder Abschied nehmen von diesem traumhaften Ort. Wir packten unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg Richtung Visitor Center, welches zwar recht klein ist, in dem man jedoch einiges über den Yukon und seine Ökologie sowie das Yukon-Charley Rivers National Preserve erfährt. Dieses Schutzgebiet, durch welches uns unsere Kanutour führen würde, beginnt kurz hinter Eagle und endet kurz vor Circle. Es umfasst einen Teil des Yukon sowie den Charley River, welcher in den Yukon mündet, und beherbergt eine der größten Wanderfalken-Populationen der Gegend.

Aber der Reihe nach. Zunächst wanderten wir also durch das kleine Örtchen Eagle und hielten an zwei Gedenktafeln. Die eine erinnerte an Roald Amundsen, den berühmten, norwegischen Polarforscher. Er war der erste der es schaffte die Nordwestpassage zu durchqueren, den Seeweg, der nördlich des amerikanischen Kontinentes den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Nachdem sein Segelschiff Gjoa in der Beaufortsee festgefroren war, reiste er 800km im Hundeschlitten übers Festland bis nach Eagle, wo er am 5. Dezember 1905 eintraf. Von dort sendete er die Nachricht über seine erfolgreiche Expedition per Telegram nach Hause.

Die zweite Gedenktafel ist Chuck gewidmet. Er war unter anderem zuständig für die Passkontrolle bei Reisenden, die von Kanada nach Alaska einreisten, da sich kurz vor Eagle die Grenze befindet. Auch Dirk hatte ihn 2010 während seiner ersten Tour auf dem Yukon getroffen und einen Stempel von ihm erhalten. Nur einen Tag später kam Chuck mit seinem Wagen von der von starken Regenfällen aufgeweichten Straße ab und stürzte in den Fluss. Seine Leiche wurde später in Eagle aus dem Fluss geholt, so, als hätte der Fluss ihn nach Hause zurück gebracht.

Unser Weg führte uns nun wie bereits angekündigt ins Visitor Center, wo wir von Randy, einem Ranger, begrüßt wurden. Er erzählte uns ein paar Dinge über den Fluss und das Schutzgebiet, wir deckten uns mit Infomaterial ein und bestaunten die ausgestellten Tiere, Felle und präparierte Spuren. Zum Schluss zeigte Randy uns noch einen kurzen Film über das Kanufahren auf dem Yukon, und dann ging es auch für uns endlich los und ans Wasser, wo die Kanus und das gesamte Gepäck bereits auf uns warteten! Dieses musste nun zunächst möglichst geschickt auf alle Boote verteilt werden, was bedeutete, dass jedes Kanu mit den beiden Packsäcken, 2 Lebensmitteltonnen, einem Wasserkanister und Ersatzpaddel bestückt wurde. Der Rest wurde auf alle Boote verteilt, jeder bekam noch eine Schwimmweste und los ging's!

Zunächst sollten wir uns im Kehrwasser des Uferbereichs ein wenig einpaddeln. Schon nach kurzer Zeit trieben aber einige in der Hauptströmung davon, sodass wir uns alle schleunigst dort hin begaben und auf den Weg machten.

Unsere erste Etappe dauerte nicht lange. Nach kurzer Zeit erreichten wir eine Forschungsstation des Alaska Department of Fish and Game. Hier wird mittels Sonar erforscht, wie viele und was für Lachse den Yukon vom Meer weiter nach Alaska schwimmen. Anhand der erhobenen Daten werden Fangquoten festgelegt, damit zum Einen genügend Lachse ihre Laichgebiete erreichen können und zum anderen auch für die Fischer in Kanada noch etwas übrig bleibt. Zur Zeit unseres Besuches war das Lachsfischen rund um die Uhr erlaubt, es gibt jedoch auch stark begrenzte Zeiten. Dann ist das Fischen evtl. nur kurzfristig und für ein paar Stunden gestattet, sodass die Fischer sofort raus auf den Fluss müssen, wenn sie ihren Teil vom Kuchen bzw. Fisch abbekommen möchten, ggfls. auch nachts. Die beiden Mitarbeiter der Station nahmen sich viel Zeit für uns und erklärten und zeigten uns ausführlich ihre Arbeit.

Anschließend führte uns unsere Reise weiter bis nach Calico, wo wir die nächsten zwei Nächte bei Andy verbringen würden.

Andy hat vor einiger Zeit dieses Stück Land mitten in der Wildnis am Yukon von Indianern gekauft und sich hier ein Leben als Selbstversorger aufgebaut. Sein Wissen gibt er gern an andere weiter, sodass man auch längere Zeit bei ihm Leben kann, um von ihm zu lernen. Wir hatten dazu leider nur 3 knappe Tage Zeit, aber dieser sollten mit zu den beeindruckensten der ganzen Reise zählen.

Zunächst hieß es jedoch, erfolgreich anzulanden. Normalerweise paddelt man dazu grade aus der Hauptströmung raus und auf das Ufer zu, bis man in das Kehrwasser gelangt. Hier ist dieser Bereich, in dem der Fluss, vereinfacht gesagt, in die andere Richtung fließt, allerdings extrem schmal und das Anlanden dadurch sehr schwierig. Doch wir hatten Glück: Bei allen klappte es auf Anhieb ohne Probleme. Kaum am Ufer, wurden wir von einer Schar von Andys Schlittenhunden stürmisch begrüßt. Andy war auch schon da, seine Hunde hatten uns schon lange vorher auf dem Fluss gesichtet und ihn über unser Kommen informiert.

Als erstes trugen wir nun die Boote an Land und bauten die Zelte auf. Danach nahm Andy uns alle mit auf einen Rundgang über seine Farm. Los ging's mit dem Füttern seiner ca. 12 Schlittenhunde. Abends bekommt jeder von ihnen einen getrockneten Lachs. Das darin enthaltene Öl ist sehr gesund, außerdem sind sie mit dem trockenen Fisch länger beschäftigt als mit Fertigfutter, was der Zahngesundheit zu Gute kommt. Morgens gibt es ein sehr hochwertiges, industriell hergestelltes Fertigfutter, wegen der Vitamine und Mineralien.

Die Hunde sind allesamt freundlich und gut erzogen und reagieren auf kleinste Handzeichen - zumindest bei ihrem Herrchen ... Für Ihn sind sie "pets, safeguards and workers" - also Haustiere, Beschützer und Mitarbeiter. Im Winter spannt er sie vor den Schlitten und unternimmt Touren durch die Wildnis; auch das Mushing kann man von ihm lernen.

Einer seiner Hunde ist übrigens bereits 17 Jahre alt - natürlich darf er im Winter mit ins Haus ... :-)

Ein Schuppen nebenan war voll  mit getrockneten Lachsen, die von der Decke hingen - nicht grade ein schöner Anblick, aber das Hauptnahrungsmittel der Hunde.

Andy besitzt außerdem wunderschöne Gemüsegärten und Gewächshäuser, in denen er während des kurzen Sommers Kartoffeln, Salate, Paprika, Broccoli etc. anbaut. Einen Teil macht er haltbar für den Winter, das was er nicht selbst benötigt, wird verkauft. Alles, was Andy über den Gartenbau weiß, hat er sich selbst angelesen oder durch Ausprobieren selbst beigebracht; er versucht sich immer wieder an neuen Dingen um zu sehen, ob sie für ihn von Nutzen sein können. Im Moment testet er eine neue Anbaumethode für Kartoffeln. Die Scheiben seines Gewächshauses sind übrigens alte Duschkabinentüren, die in Eagle ausrangiert wurden :-)

Sogar hier im Garten spielt Lachs eine Rolle: und zwar werden Fischreste und vor allem die Greten als Dünger verwendet, da diese besonders reich an Calcium sind, was gut für den Boden sein soll.

Weiter ging's zu den zwei "outhouses", Toilettenhäuschen, die zwar nur über eine halbe Tür, dafür aber über Styroporsitze verfügten (damit man im Winter nicht festfriert ...).

Der nächste Stop: die Gäste - Cabin ...

... und die Sauna! Dies ist ebenfalls eine Blockhütte mit einem Ofen, über dem Wassereimer erhitzt werden und zum Waschen oder Duschen verwendet werden können. Es wird sehr schnell sehr angenehm warm dort drinnen, wie herrlich muss ein Besuch erst im Winter bei Schnee und Minusgraden sein?!

Anschließend betraten wir sozusagen Andys Königreich: seine Werkstätten. Und hier kann der Name wirklich wörtlich genommen werden: überall gibt es kleinere oder größere, mehr oder meist eher weniger fertige Projekte, an denen Andy gerade bastelt. In einem Raum stellt er aus Fellen, Steinen, Elchgeweih oder Elfenbein Schmuck oder andere Utensilien her, vor der Hütte lagern Birkenstämme aus denen er sich Regale bauen will, dort drüben ein Unterstand den er einfach mal gebaut hat um auszuprobieren wie er etwas bauen kann, ohne Schrauben oder Nägel zu benutzen, hier und da weitere Schuppen mit allerlei Maschinen und Geräten und da drüben - sein neues Haus. Das er sich auch grade komplett selbst baut, doppelwandig wegen der Isolierung, mit großen Fenstern und Kamin. Später sollen noch eine Etage sowie ein Speicher oben drauf, dazu hat er sich natürlich auch einen Kran gebaut.

An seinem Haus hat mich vor allem seine Sorgfalt und Liebe zum Detail beeindruckt. Man könnte meinen, er baut sich dort eine Hütte hin die einigermaßen hält und fertig. Von wegen! In dem Kamin, der komplett aus Steinen gemauert wurde, die Andy Stück für Stück hergeschleppt hat, wurde eine Aussparung gelassen, in die später das Logo seiner Firma ("Alaska Yukon Adventures") eingelassen werden soll. Vor dem Kamin befindet sich eine Sitzbank, von der aus man einen traumhaften Blick hinaus auf den Wald hat. Diese Bank hat Andy genau für sich passend gebaut, sodass er bequem dort sitzen und den Ausblick genießen kann. Von der Decke hängt außerdem der Rohbau eines Kanus, an welchem er bei Gelegenheit arbeitet ...

Noch eine Anmerkung zu dem oben erwähnten Elfenbein: Am Yukon gibt es eine Stelle, an der das wohl einzige, legal zu handelnde Elfenbein der Welt gefunden werden kann. Denn hier hat der Permafrost die Überreste urzeitlicher Tiere konserviert und gibt sie in der wärmeren Jahreszeit teilweise frei. Die Menschen in den Dörfern ringsum stellen aus den gefundenen Knochen und Stoßzähnen Schmuckstücke u.a. her und verkaufen diese.

Zweimal täglich fährt Andy mit seinem Boot raus auf den Fluss, um seine Netze zu kontrollieren. Für die Zeit die wir bei Andy verbrachten teilten wir uns auf, sodass jeder mal mitfahren konnte. Heute Abend waren Annika, Miri, Nick und ich dabei. Einige mag es jetzt vielleicht überraschen, dass ich freiwillig zum Fischen mitgefahren bin, wo ich normalerweise keiner Spinne und keinem Langbein was antun kann. Aber hier, in der Wildnis, war es etwas komplett anderes. Ich kann es nicht genau erklären, aber hier ging es nicht darum, Lachse zu fangen, nur weil man heute mal Lust drauf hat ... oder weil man sie auf dem nächsten Fischmarkt verkaufen will ... hier sind die Lachse essentieller Bestandteil für das Überleben im Busch, sowohl für Andy als auch für die Hunde. Und wenn man bedenkt, dass die Lachse bis zum Schluss ein wirklich freies und wildes Leben geführt haben und am Ende nicht mit einem Trawler aus dem Wasser gesammelt sondern nur mit ein oder zwei Leidensgenossen von Andy persönlich aus seinem Netz geholt wurden, um dann nicht in einer Fischfabrik in Akkordzeit zu Stäbchen verarbeitet zu werden sondern von Hand zerteilt über dem Lagerfeuer am Fluss zu enden - dann, denke ich, haben auch diese Tiere ein lebenswertes Leben gehabt und ein würdiges Ende erfahren. Meiner Meinung nach hat das etwas mit Respekt zu tun. Andy hat großen Respekt vor der Wildnis und den Tieren, die in ihr leben. Er nimmt sich nur das, was er braucht, wie Lachse, oder auch einen Schwarzbär für den Sommer und einen Elch für den Winter.

Aus diesem Grund sah ich Andy anschließend auch dabei zu, wie er die Lachse zu Filets verarbeitete. Er machte es einmal vor, dann durften auch wir uns daran versuchen. Nik und Miri waren sofort dabei, ich musste das dann doch nicht haben ... zum Schluss wurden die frischen Lachse zusammen mit ein paar bereits geräucherten Kollegen über dem Lagerfeuer gegrillt. Gegessen habe ich sie jedoch nicht, dazu bin ich einfach zu lange Vegetarier ... ich hielt mich an Couscous und den köstlichen Salat, frisch aus Andys Garten :-)

Es wurde ein wundervoller, langer Abend. Wir saßen am Lagerfeuer am Ufer des Yukon, tranken Kräutertee und lachten, wie wir es selten getan haben. Zum Beispiel über die grandiose Idee der Bären-App und wie nützlich sowas doch hier im Busch wäre ... Als dann um Punkt 12 Uhr in der Nacht plötzlich alle Hunde anfingen zu heulen, war das Alaska-Feeling perfekt ... Wir krochen in unsere Schlafsäcke und schliefen beim sanften Plätschern des Yukon ein ...

03.08.2015

Der Morgen begann mit einem ausgiebigen Frühstück, bei dem wir von Dirk in die Geheimnisse der richtigen Zubereitung von Oatmeal eingeweiht wurden. Oatmeal ist im Prinzip ein einfacher, recht klebriger Haferbrei, den Dirk in einem großen Topf für alle kochte. Nur, einfach nur Haferbrei, das ist ja langweilig. Also noch ein Löffel Erdnussbutter extra crunchy, Zimt, braunen Zucker, Cranberries, Blaubeeren und was sich eben sonst noch so anbietet reingerührt und fertig ist das exklusive Yukon breakfast. Brot und Bagels gabs natürlich auch ...

Anschließend wurden die Hunde gefüttert und Andy zeigte uns seine Schlitten, die er im Winter für das Mushing verwendet. Bei ihm kann man die Kunst des Hundeschlittenfahrens erlernen. Im Prinzip wird dabei alles über Gewicht und Stimme gemacht, um die Hunde zu lenken, anzutreiben oder anzuhalten. Andy zeigte uns auch seine Fallen, mit denen er alle möglichen Kleintiere fängt, wie Wiesel oder Biber.

Anschließend fuhr die nächste Truppe mit raus um die Netze zu kontrollieren. Diesmal war ein besonders großer Lachs dabei, ein Weibchen. Und voll mit Fischeiern ... also Kaviar! Andy packte uns diesen später als Proviant für die Reise ein. Einige waren begeistert ... 

Dann begann unser großes Projekt. Wir würden mit Andy Messer herstellen, das heißt, die Messergriffe sowie eine Messerscheide aus Birkenrinde. In Deutschland würde man jetzt in den nächsten Baumarkt spazieren und sich die Materialien dafür besorgen. Bei uns sah das ganze etwas anders aus. Wir fuhren mit dem Boot zu einer Stelle kurz vor Calico Bluff und begaben uns mitten hinein in den Wald - also sozusagen nicht in den Bau-, sondern Baummarkt. Denn wenn wir etwas aus Birkenrinde herstellen wollten, mussten wir uns zuerst welche besorgen. Als allererstes aber gruben wir nach Wurzeln. Diese sollten später geschält und gespalten werden und uns als Nähgarn dienen. Leider reichte die Zeit dazu am Ende nicht mehr aus und wir mussten auf fertiges Garn zurück greifen. Aber fürs erste wühlten wir alle fleißig im Dreck. Als wir genug gesammelt hatten, ging es ans Schälen der Birkenrinde. Dabei schneidet man einmal um den Stamm herum, aber nicht zu tief, damit man den Baum nicht verletzt und er nicht abstirbt. Dann ein vertikaler Schnitt und nochmal unten herum und die Rinde lässt sich - mehr oder weniger leicht - an einem Stück abziehen. Eine Hündin war übrigens immer mit dabei - vermutlich, um uns rechtzeitig vor Bären zu warnen ...

Zurück im Camp machten wir uns dann an die Arbeit. Wir bekamen ein blankes Messer und mussten nun durch feilen, schleifen, schmirgeln, bohren, kleben den Griff und die Hülle herstellen. Als ich sah, mit was für Werkzeugen wir arbeiten sollten, hätte ich fast aufgegeben, bevor ich überhaupt angefangen hatte ... Ich, die an Sylvester noch nicht mal eine Wunderkerze in der Hand halten kann, sollte mein Messer feilen, dass die Funken nur so flogen. Was soll ich sagen - es war überhaupt kein Problem. Am Anfang hatte ich tatsächlich gedacht, das schaffe ich nie. Nie im Leben finde ich eine Wurzel oder kriege ein ganzes, unbeschädigtes Stück Rinde vom Baum. Aber nach kurzer Zeit hatte ich die Arme voll. Und nie im Leben würde ich so ein Messer hinkriegen - am Ende tat ich es doch. Man muss es einfach nur versuchen, dann kann man viel mehr, als man glaubt.

Andy ist auch ein wunderbarer Lehrer. Obwohl er alleine mit 12 Deutschen war, die alle in seinen verschiedenen Werkstätten rumhantierten und zum größten Teil noch nie eine Schleifmaschine bedient hatten, verlor er nie, aber auch nie die Geduld und half jedem weiter, auch wenn er/sie noch so langsam war. Und auch wenn es am Ende zeitlich etwas knapp wurde, hielten schließlich alle stolz ihre Messer und Hüllen in den Händen!

Den Abend verbrachten wir wieder bei Kräutertee am Lagerfeuer. Zunächst erlebten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang ...

... dann ging der Mond über den Bergen auf!

04.08.2015

Heute hieß es um 6 Uhr aufstehen, denn einige von uns wollten bereits vor dem Frühstück auf den Calico Bluff steigen, um von dort oben die weite Aussicht zu genießen. Andy brachte uns mit dem Boot an den Fuß des Berges und wir machten uns an den Aufstieg. Es gab keinen ausgetretenen Pfad, wir mussten uns selbst unseren Weg suchen, teilweise auf allen vieren, da es so steil war. Nach ca. 40 Minuten waren wir nicht nur vollkommen erledigt, sondern auch endlich oben. Die Aussicht war unglaublich. Von unten sieht das ganze Land ja schon so weit und groß aus, aber erst von dort oben bekommt man einen wahren Eindruck davon, wie riesig es wirklich ist. Vor uns lag der Yukon, am Ufer Andys Stück Land, das winzig wirkte, dahinter der Fox Lake, mitten im Wald. Leider konnten wir den Ausblick nicht sehr lange genießen denn wir mussten zurück, wir hatten heute noch viel vor. Der Abstieg ging wesentlich leichter und schneller als der Aufstieg und als wir wieder unten waren, wartete Andy schon mit seinem Boot auf uns um uns zurück zu bringen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns wieder an die Arbeit, schließlich wollten wir alle unsere Messer heute noch fertig kriegen.

Gegen Mittag kam es dann zu unserer ersten Begegnung mit einem Bären - besser gesagt, Annikas Begegnung, denn sie war zu der Zeit alleine bei den Zelten und sah ihn als einzige. Es war ein Schwarzbär, der von der gegenüberliegenden Seite durch den Yukon schwamm und ein paar hundert Meter links von uns an Land ging, dort, wo wir am Tag zuvor Rinde geschält hatten ...

Als alle Messer fertig, die Zelte abgebaut und alles soweit gepackt war, setzten wir uns noch einmal zu einem Imbiss mit Andy zusammen und er gab uns einen kleinen Einblick in seine Lebensphilosophie.

Seiner Meinung nach können die Menschen entweder viel arbeiten und dadurch viel Geld verdienen, womit sie sich alles, was sie benötigen, kaufen können. Oder sie können mit ihrer Arbeit wenig Geld verdienen, dafür aber viele Dinge, die sie benötigen, selber herstellen. Er zählt sich eindeutig zu der zweiten Gruppe. Für ihn wäre ein Bürojob, bei dem er den ganzen Tag vor dem Computer sitzt, ein Albtraum. Er möchte seine Hände gebrauchen und damit etwas schaffen. Wenn er im Wald unterwegs ist, schaut er sich immer nach Dingen um, die er für irgendetwas gebrauchen und welche Quellen und Ressourcen er für sich nutzen kann.

Alles, was er kann, hat Andy sich selbst beigebracht, indem er Dinge ausprobierte, Bücher las und sich Sachen von anderen abschaute. "From experience comes knowledge, from knowledge comes confidence and from confidence comes success", sagt er - aus der Erfahrung erwächst Wissen, aus Wissen Selbstvertrauen und aus Selbstvertrauen Erfolg.

Auch in unserem Projekt sah er mehr als nur das Herstellen eines Messers und einer Hülle. Er erklärte uns, dass wir sehr viel mehr als das gelernt hätten. Wir haben gelernt zu schleifen, zu bohren, zu feilen, verschiedene Maschinen und Klebstoffe zu benutzen, zu nähen und Rinde zu schälen. All dieses Wissen können wir nun für viele andere Dinge verwenden. Andy verglich das Lernen mit einer Pyramide: Je größer und breiter das Grundwissen ist, desto mehr kann man daraus machen. Für ihn gehört zum Lernen auch dazu, dass man Fehler macht. Denn durch sie lernt man erst richtig.

Nachdem sich jeder in sein Gästebuch eingetragen hatte, hieß es Abschied nehmen, denn für uns ging die Reise weiter. Es war bereits halb fünf als wir aufbrachen, aber es würde ja lange hell bleiben. Wir waren noch nicht weit gekommen, da sauste Andy mit seinem Boot hinter uns her und drückte Dirk eine Tüte in die Hand: Wir hatten den Kaviar vergessen!

Das Paddeln klappte problemlos. Schon nach kurzer Zeit waren Annika und ich so aufeinander eingespielt, dass der Vordermann auch ohne Anweisungen des Hintermannes wusste, wann er die Seite wechseln oder sonst wie unterstützen musste. Der Hintermann ist der Steuermann. Er lenkt das Boot, während er Vordermann in erster Linie Tempo macht. Aber er kann sein Paddel natürlich auch unterstützend einsetzen, wenn der Hintermann Schwierigkeiten hat, alleine die Richtung zu halten.

Unterwegs stoppten wir am Ufer, um unsere Wasservorräte mit dem klaren Wasser des Tatonduk River aufzufüllen, welcher hier in den Yukon mündet. Das Wasser war zwar an sich klar, also zumindest nicht so schlammig wie der Yukon selbst. Bei genauerem betrachten der gefüllten Wasserflasche dann wirkte es aber doch recht trüb und im ersten Moment kostete es doch ein bisschen Überwindung, einen großen Schluck zu nehmen ... Aber was soll's, es gab ja eh keine Alternative. Also verließ ich mich auf Master Dirk, der ja schon so einige Zeit hier auf dem Fluss überlebt hatte und vertraute darauf dass er schon wusste, welches Wasser man trinken konnte und welches nicht ...

Von hier aus sahen wir auch den wohl einzigen qualmenden "Vulkan" entlang des Flusses. Vor etwa einem Jahr hatte es in diesem Gebiet ein Erdbeben gegeben, wobei sich eine Erdspalte aufgetan hatte, aus der seitdem Rauch aufstieg.

Nach einer Pause mit Trail Mix und Twizzlers - roten und gelben, weingummiähnlichen Stangen, die vor allem Annika in Begeisterung versetzten - ging die Fahrt weiter. Nun waren Annika und ich so richtig im "flow", das Paddeln ging wie von selbst. Wir waren uns nicht ganz einig ob die Ursache dafür die zuvor genannten Snacks waren oder doch die tief stehende Abendsonne, die den Fluss und die Landschaft in ein magisches Licht tauchte ...

Langsam wurde es Zeit, nach einer als Lagerplatz geeigneten Insel Ausschau zu halten, die vor allem nicht zu steinig, aber auch nicht zu sumpfig war, um den Zelten genug Halt zu bieten. Es dauerte nicht lange, da war ein geeigneter Ort gefunden und wir landeten an. Inmitten von Schwarzbär-, Elch- und Luchsspuren schlugen wir unsere Zelte auf, während Dirk das Abendessen zubereitete. Bevor wir dieses am Lagerfeuer verspeisten, erhielten wir jedoch erst noch eine obligatorische Einweisung, da wir uns nun wirklich in der Wildnis befanden - und zwar zum Moskito- sowie Bärenspray und dem Spaten ...

Natürlich werde ich auch nicht die riesengroße Dummheit verschweigen, die Annika und mir an diesem Abend passiert ist ... auch wenn ich es am liebsten sofort wieder streichen würde. Aber nachdem Dirk uns noch zwei Tage vorher beim ersten Aufbauen der Zelte ermahnt hatte, ja vorsichtig mit ihnen umzugehen da sie sehr teuer seien und noch lange halten sollten, brach uns doch tatsächlich an diesem Abend beim Aufbau eine Stange ... Sorry, Dirk, tut uns noch immer sehr leid ... :-((( Glücklicherweise hatte er passendes Reparaturwerkzeug dabei und machte alles wieder heile. Da konnten wir ja noch nicht ahnen, was uns wenige Tage später passieren sollte ...

05.08.2015

Als wir am nächsten Morgen aus dem Zelt krabbelten, fanden wir Tierspuren direkt davor - vermutlich von einem Luchs! Annika meinte auch gehört zu haben, wie nachts etwas um unser Zelt schlich, doch dachte sie es wäre sicher ein Mensch ...

Als Mama aus dem Zelt krabbelte, fand sie was ganz anderes, nämlich ein dickes, geschwollenes Auge ... wir hatten zwar Riesenglück mit den Moskitos und wurden von nur ganz wenigen besucht, aber die wenigen die da waren, hatte Mama scheinbar für sich reserviert ...

Als wir später noch ein wenig die Insel erkundeten, fanden wir noch sehr viel mehr Spuren von unterschiedlichen Tieren, wie Bären und Elchen. Es waren auch sehr viele, sehr deutliche und große Wolfsspuren dabei - die teilweise am Abend vorher noch nicht dagewesen waren ...

Es hatte schon etwas von Strandurlaub, als wir in T-Shirt und kurzer Hose barfuß durch den warmen, feinen Sand der Insel schlenderten.

Gegen 14 Uhr hieß es dann aber wieder Abfahrt - und prompt zogen in der Ferne die ersten Wolken auf und wir hörten bereits Donnergrollen ... Also doch noch schnell die Regenhosen und -jacken drüber gezogen und los ging's. Nun bekamen wir alle einen Eindruck davon, wie schnell und wie drastisch sich das Wetter hier draußen ändern kann. Noch kurz vorher waren wir in strahlendem Sonnerschein über die Insel geschlendert, jetzt frischte der Wind auf und die Wolken wurden immer mehr. Die Wellen nahmen gefährlich zu, sodass Dirk schließlich doch ein Einsehen mit uns hatte und wir bereits eine halbe Stunde, nachdem wir losgefahren waren, wieder anlandeten. Annika und ich hatten eigentlich die gleichen Sachen wie immer im Boot, dummerweise war nur eine der beiden Provianttonnen inzwischen leer und die andere noch voll. Dadurch geriet unser Boot zu ziemlich aus dem Gleichgewicht als wir grade auf das Ufer zupaddeln mussten und der Wind die Wellen seitlich gegen unser Boot trieb, kam mir das einzige Mal auf der ganzen Tour der Gedanke, gleich liegen wir im Wasser ... aber es ging alles gut, wir erreichten das sichere Ufer. Kaum waren die Boote fest und das Regenzeug drüber gezogen, fing es auch schon an zu schütten. Die Zeit nutzten wir für einen Mittagssnack. Als der Regen kurze Zeit später aufhörte und der Wind endlich ein wenig nachließ, machten wir uns schnell wieder auf den Weg, nur um kurz danach ein zweites Mal anzulanden, da es wieder zu extrem wurde. Aber es machte keinem was aus, was hätten wir auch tun sollen? Hier draußen stellt das Wetter die Spielregeln auf und an die hält man sich besser. Es dauerte nicht lange und wir konnten wieder weiter.

Nun wurde das Wetter sogar wieder richtig schön und wir konnten zwischendurch sogar floaten. Dabei treffen sich alle in der Mitte des Flusses und halten sich links und rechts an den anderen Kanus fest. So kann man mitten auf dem Fluss eine entspannte Pause einlegen und treibt aber trotzdem mit der Strömung voran. Natürlich verging kaum eine floating-session, ohne dass die Trail-Mix-Tüte oder Ähnliches die Runde machte ... ;-)

Kurze Zeit später erlebten wir noch zwei Highlights: Am Ufer auf einem Baumstamm entdeckten wir zwei Weißkopfseeadler und ein Stück weiter einen jungen Schwarzbären, der neugierig aus dem Busch herauslugte. Nun ja, die anderen haben sie gesehen. Ich hab einfach mal das Objektiv auf die Stelle gehalten wo ich sie vermutete und Fotos gemacht :-)

Schließlich wurde es wieder Zeit, nach einer Insel für unser Camp Ausschau zu halten. Diese war auch schnell gefunden und wir landeten an.

Auch diese Insel war wieder wunderschön, sandig und mit vielen verschiedenen Steinen. Es gab nur einen kleinen Haken: Es gab sonst nichts. Also, nicht dass ich hier jetzt ein Hotel oder eine Hütte erwartet hätte - aber so ein paar Büsche wären schon nett gewesen, zumindest für die Ladys ... aber alles was es gab war ein winzig kleiner Strauch - hinter dem seltsamerweise alle Fußabdrücke verschwanden ... Außer unseren menschlichen Spuren gab es auch wieder viele andere, zum Beispiel von Elchen.

Wir bauten wieder die Zelte auf, während Dirk das Abendessen zauberte: Nudelsuppe und zum Nachtisch M&Ms und Kekse. Außerdem gab es noch stuffing, das jeder probieren musste - ich habe bis heute noch nicht rausgefunden, was genau da drin steckt.

Die Jungs hatten ihren Auftrag, sich auf die Suche nach Feuerholz zu begeben, etwas zu ernst genommen - und schleppten einen riesigen Baumstamm an, der uns allen später als Sitzgelegenheit diente.

Wir verbrachten den Abend wieder am Lagerfeuer, ich nähte an meiner Messerhülle weiter. Es war windstill und ein herrlicher Abend, nichts deutete auf den Regen und Sturm am Nachmittag hin - und nichts auf das, was uns in der Nacht und am nächsten Tag erwarten sollte ... 

06.08.2015

Ich muss ja sagen, jetzt im Nachhinein frage ich mich schon, wer oder was mich in dieser Nacht geritten hat. Vielleicht war es der Jasmintee am Vorabend, ich weiß es nicht.

Jedenfalls begann in dieser Nacht ein ziemliches Unwetter, es regnete in Strömen und stürmte. Jeder normale Mensch würde bei einem solchen Wetter noch ein Stück tiefer in den warmen Schlafsack kriechen und hoffen, dass es noch lange keine Zeit zum Aufstehen war. Und was ist der erste Gedanke der mir in den Kopf schießt?? Eine bessere Dusche kriegst du nicht mehr!! Also kurz entschlossen nicht rein sondern raus aus dem warmen Schlafsack und ab nach draußen in den Regen zum Haarewaschen. Dann schnell ein Handtuch drum gewickelt und wieder ab ins Bett, denn obwohl es schon hell draußen war, schien es noch mitten in der Nacht zu sein, vielleicht 4 Uhr. Tja, was soll ich sagen ... da kann man mal sehen wie verzweifelt man sein kann, wenn man tagelang nur Flusswasser zum Waschen hat ;-)

Am nächsten Morgen war ich wieder als erste draußen. Es stürmte noch immer, hörte aber für eine kurze Zeit mal auf zu regnen. Es herrschte eine unglaubliche Stille, nur unterbrochen von seltsamen Tiergeräuschen, die ich nicht zuordnen konnte. Die Wolken hingen tief über den angrenzenden Hügeln und alles war in grau-blauen Nebel gehüllt. Wieder fand ich verschiedene Tierspuren. Als der Regen wieder einsetzte und der Sturm wieder zunahm, verkroch ich mich wieder ins Zelt wo wir alle erstmal blieben, bis der Regen sich wieder ein wenig legte und Dirk draußen das Frühstück zubereiten konnte. Dann trauten auch wir uns wieder hinaus um uns bei einer heißen Tasse Tee aufzuwärmen. Da geschah es: Eine erneute heftige Windböe riss eines der Zelte los und schleuderte es vor sich her über die Insel, Richtung Yukon ... es dauerte nur Sekunden, da hatten Annika und ich realisiert dass es unser Zelt war, das da gerade fliegen ging ... wobei sich sämtlicher Inhalt, von Schlafsäcken bis hin zu allerlei Infozetteln und Flyern, die wir uns im Zelt angeschaut hatten, über die Insel verteilt wurde. Zum Glück konnten wir fast alles wieder einsammeln .... und zum Glück hielt sich der Schaden in Grenzen. Ich für meinen Teil war erstmal bedient und wollte für den Rest der Reise kein eigenes Zelt mehr. Erst die gebrochene Stange und jetzt das ... Glücklicherweise konnte Dirk es aber noch einmal reparieren und wir zogen abends doch wieder ein - wobei wir das mit dem Aufbauen allerdings den Profis überließen!

Außer dem Zelt war mit der gleichen Böe übrigens noch ein Kanu um- und fast davon geweht - es konnte aber ebenfalls rechtzeitig festgehalten werden.

Bei diesem Wetter machte es wenig Sinn, weiterzupaddeln. So harrten wir noch eine Weile in unseren Zelten aus und hofften auf Besserung. Als der Regen aufhörte und der Wind sich ein klein wenig legte, machten wir uns gegen 14 Uhr aber dann doch auf den Weg. Die Etappe, die uns heute erwartete, sollte die härteste der gesamten Tour werden. Wir paddelten rund 60km in 8,5 Stunden, bei teilweise extremem Gegenwind und mit nur zwei kurzen Pausen.

Eine davon verbrachten wir in einer Cabin am rechten Ufer des Flusses, dort, wo der Kandik River in den Yukon mündet. Um dort hinzugelangen mussten wir ein kleines Stück diesen Nebenfluss hinaufpaddeln und an einer Biberburg vorbei. Es war interessant zu sehen, wie sich das klare Wasser mit dem trüben Wasser des Yukon vermischte.

Die Cabin war mit zwei einfachen Betten, einem Holztisch und einem Ofen ausgestattet und es gab sogar ein Outhouse - welch ein Luxus!

Gegen Abend wurde das Wetter dann doch noch besser, der Wind nahm schließlich ab und auch die Sonne kam nochmal heraus. Trotzdem waren wir alle ziemlich ko, als wir schließlich unser Ziel für diesen Tag erreichten. Sogar mein Daumen war durch die Anstrengungen des Paddelns wieder angeschwollen.

Diese Nacht verbrachten wir in Slaven's Roadhouse, einer zweistöckigen Cabin mit einfachen Betten, einem Ofen und einer ausgestatteten Küche. Sogar Trinkwasser war vorhanden und auch ein Outhouse gab es - nach diesem Tag kam uns das vor wie das teuerste Luxushotel. Alle waren froh, an diesem Tag keine Zelte mehr aufbauen zu müssen und die Sachen einmal trocknen zu können - außer Dirk, der hart blieb und sein Zelt vor der Cabin aufschlug.

Kurz darauf saßen wir alle auf Holzbänken um den großen Holztisch herum und ließen uns in Wraps eingerollten Instantreis schmecken - für mich sogar ohne Huhn ;-) Unglaublich, wie gut so eine einfache Mahlzeit schmecken kann!

Bei unserer Ankunft waren wir übrigens von Kae begrüßt worden, die uns auch abends Gesellschaft leistete. Kae arbeitet als Rangerin in dem Gebiet und war gerade für ein paar Tage hier bei der Cabin eingeteilt, um ein wenig für Ordnung zu sorgen. Sie erzählte uns eine Menge über ihre Arbeit, auch dass sie am Morgen noch einen Luchs an der Cabin beobachtet hatte und ein paar Tage zuvor von einem neugierigen Bären verfolgt worden war ...

07.08.2015

An diesem Morgen trafen wir uns erst weit nach neun Uhr zum Frühstück. Auch Kae leistete uns wieder Gesellschaft und erzählte uns etwas über die Geschichte dieses historischen Gebäudes, in dem wir die Nacht verbracht hatten.

Slaven's Roadhouse wurde 1932 von Frank Slaven erbaut, der 1897 wegen dem Goldrausch am Klondike in die Gegend gekommen war. Die meisten alten Gebäude aus dieser Zeit sind längst verfallen oder verbrannt, dieses Roadhouse aber wurde in den neunzigern des letzten Jahrhunderts von der Nationalparkbehörde restauriert und in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Heute dient es Flussreisenden wie uns, aber auch Fischern, Jägern, Trappern und im Winter sogar den Teilnehmern des Yukon Quest als Unterkunft.

Nach dem Frühstück brachen wir mit Kae auf zu einem kurzen Spaziergang durch den Wald, zur sogenannten Coal Creek Dredge, einem historischen Goldbagger. Kae gab uns eine ausführliche Tour und erzählte dessen Geschichte und wie er damals funktionierte. Drinnen lagen noch allerlei Geräte und Werkzeuge herum, geradeso als wären die Arbeiter nur kurz weggegangen und würden jeden Moment zurückkommen. Von 1936 bis 1957 wurden hiermit - mit einigen Ruhejahren wegen des Krieges - über 92 000 Unzen Gold geschürft.

Heute deutete nichts mehr auf die Anstrengungen des gestrigen Tages hin: Es war warm, windstill und die Sonne schien von einem blauen, wolkenlosen Himmel. Also beluden wir die Boote und weiter ging's. Zwischendurch legten wir wieder floating-sessions ein und paddelten an eindrucksvollen Felsklippen vorbei, wobei wir allerdings in einer Reihe hintereinander bleiben und auf Untiefen achtgeben mussten.

An diesem Abend fanden wir wieder eine wunderschöne Insel. Sie war zwar stellenweise sehr sumpfig, aber wir fanden eine geeignete Stelle für die Zelte und konnten bleiben. Bei einer ersten Erkundungstour nach dem Zeltaufbau entdeckte ich nicht nur Elch- und Wolfsspuren, sondern auch etwas ganz besonderes: eine Adlerfeder!

Zum Abendessen gab es Spaghetti, über die sich - nun ja, (fast) alle riesig freuten, anschließend verbrachten wir den Abend wieder am Lagerfeuer. Diesmal blieben wir besonders lange wach, bis es gegen 1, halb 2 langsam richtig dunkel wurde. Der Mond ging hinter den angrenzenden Hügeln auf und dann - hörte man von überallher nur noch ein ehrfürchtiges "Aaaah!" und "Ooooh!" Polarlichter! Es war unbeschreiblich. Man steht mitten in Alaska in der Wildnis am Yukon, meilenweit entfernt von jeglicher Zivilisation, und dann tanzen über einem am Nachthimmel grünliche Schleier ... Wir konnten kaum glauben, was für ein Glück wir hatten, sieht man die Northern Lights doch eigentlich nur im Winter. Im Sommer sind sie natürlich auch da, allerdings sind die Chancen sie zu sehen mehr als gering, da es in dieser Zeit ja kaum dunkel wird.

08.08.2015

Heute war unser letzter Tag auf dem Fluss, gegen 15 Uhr würden uns unsere Fahrer in Circle erwarten.

Wir lagen jedoch gut in der Zeit, daher ließen wir es ruhig angehen. Nach dem Aufstehen schlenderte ich gemütlich über die Insel ans Wasser für eine schnelle Katzenwäsche, als ich abrupt stehen blieb und ans andere Ufer starrte: Da bewegte sich doch was! Tatsächlich: ein Schwarzbär lief am anderen Flussufer entlang! Ich rannte zurück zum Zelt um die Kamera zu holen, doch als ich zurück kam, war es für Fotos schon zu spät. In der Zwischenzeit war der Bär durch den Fluss auf unsere Seite geschwommen und in einem kleinen Wäldchen verschwunden. Irgendwie schon beruhigend zu wissen, dass wir bald weiterfahren würden ...

Zum Frühstück überraschte Dirk uns mit original amerikanischen blueberry pancakes - mmmh, köstlich!

Den ganzen Morgen über blies ein kalter Wind, doch als wir uns am Vormittag auf den Weg machten, hörte er ganz plötzlich auf und wir wurden ein letztes Mal mit herrlichem Paddelwetter verwöhnt. Noch rund 35km trennten uns von unserem Ziel, Circle.

Unterwegs kamen wir an einem weißen Holzkreuz vorbei. Hier wurde - ich glaube 1892 - ein Häuptling der Athabasken begraben. Es heißt, dass ein Regenbogen dorthin gezeigt hat, wo das Grab angelegt werden sollte. Leider kenne ich die ganze Geschichte nicht mehr, werde aber versuchen sie zu recherchieren und sie hier aufschreiben, wenn ich etwas rausbekommen sollte.

Außerdem fuhren wir wieder einen engen Flussabschnitt an beeindruckenden Felswänden entlang, in denen sich lauter Höhlen befanden; sowohl weiter oben als auch unten am Wasser. Wir mussten wieder alle eng beisammen bleiben und auf Untiefen acht geben.

Es gab noch eine kurze Pinkelpause, dann kam der Endspurt. Nun verschwanden die Hügel, die Landschaft ringsherum wurde immer flacher und der Fluss immer breiter.  So bekamen wir noch einen kleinen Eindruck davon, was einen in den Yukon Flats erwartete, die kurz hinter Circle begannen. In diesem Gebiet ist der Yukon extrem breit und verzweigt sich in viele viele kleine Seitenarme, wie in einem Labyrinth. Es gibt keine Flusskarten mehr ab diesem Punkt und alle, die durch dieses Gebiet wollen, können nur hoffen, dass sie die richtigen Flussarme erwischen und irgendwann wieder im Hauptstrom landen.

Für uns war jedoch in Circle Endstation. Schnell landeten wir an und zogen die Kanus über eine Bootsrampe an Land, schließlich wollten wir die Einheimischen nicht allzu lange behindern, die über diese Rampe ebenfalls ihre Boote ins Wasser ließen bzw. herausholten. Unsere Fahrer warteten bereits mit den Wagen auf uns - super timing! Als wir unser Gepäck hoch zu den Autos brachten, stolperten wir erstmal über eine Bärentatze, die wohl jemand auf dem Weg nach oben verloren hatte ... Als alles verstaut war, fuhren wir jedoch nicht sofort ab. Zunächst gab es noch ein Picknick, um unsere Ankunft zu feiern. Wir alle waren sehr zweigeteilt: Zum einen waren alle froh, die Tour tatsächlich geschafft zu haben und heil und ohne gefährliche Zwischenfälle am Ziel angekommen zu sein. Andererseits waren wir traurig, dass dieses wunderbare Erlebnis bereits vorbei sein sollte ... Wie Dirk richtig sagte, uns würde erst mit der Zeit so richtig klar werden, was wir da eigentlich grade erlebt hatten. Irgendwie hatte es was von Ende und Abschied, doch ganz so schlimm war es zum Glück dann doch nicht, schließlich stand uns ja noch eine Woche im Denali Nationalpark bevor ...

Circle heißt übrigens so, weil die ersten Siedler fälschlicherweise annahmen, die Stadt läge am Polarkreis. Circle wird oft auch als end of the road bezeichnet, weil es der letzte Ort am Yukon mit Straßenanbindung ist (hier endet der Steese Highway). Alle weiteren Siedlungen sind nur durch die Luft oder übers Wasser erreichbar.

Wir liefen also durch den kleinen Ort bis zur sogenannten washeteria. Diese Gebäude mit Toiletten, Duschen und Waschmaschinen gibt es in zahlreichen Siedlungen entlang des Flusses. Noch bis vor gar nicht allzu langer Zeit dienten sie den Einwohnern als Waschhäuser, da nicht jedes private Haus über Wasserleitungen verfügte. Heute existieren diese Waschhäuser immer noch und dienen zum Beispiel Flussreisenden als willkommene Gelegenheit zum Duschen. Nachdem wir uns zumindest kurz Gesicht und Hände gewaschen hatten, besuchten wir noch den kleinen Laden, denn Henning und Dirk gaben eine Runde Soda aus :-)

Anschließend ging es in 3,5 Stunden zurück nach Fairbanks. Unterwegs stoppten wir bei Eagle Summit, dem mit 1.113 Metern höchsten Punkt auf dem Steese Highway, der Fairbanks mit Circle verbindet. Hier war es direkt deutlich kälter, es bot sich aber auch eine herrliche Aussicht. Auch die Route des Yukon Quest, des berühmten Schlittenhunderennens, verläuft über diesen Berg. Das steile Gelände ist aufgrund der starken Winde und des Schnees bekannt als schwierigster Abschnitt des Rennens oder sogar jeglicher Schlittenhunderennen weltweit!

Den nächsten Stop legten wir an der Pipeline ein. Die Trans-Alaska-Pipeline verläuft quer durch ganz Alaska und transportiert das Öl, das oben in der Prudhoe Bay gefördert wird, bis nach Valdez im Süden, wo das Öl auf Frachter verladen und verschifft wird. Der Großteil der Pipeline musste aufgrund des Permafrostbodens auf Stelzen gebaut werden.

Als wir abends in unserem Motel in Fairbanks ankamen, gab es kein Halten mehr ... Man glaubt ja gar nicht, wie sehr man sich über eine einfache Dusche und ein vernünftiges Klo freuen kann!! Als alle wieder halbwegs sauber waren - der Lagerfeuergeruch hielt sich hartnäckig in den Haaren, was aber überhaupt nicht schlimm war, im Gegenteil - trafen wir uns alle unten im Eingangsbereich. Dirk hatte Pizza und zum Nachtisch Eis und Brownies für alle bestellt - eine herrliche Art, den Abschluss unserer Kanutour gebührend zu feiern! Für Mama gab es sogar eine Extraportion Eis, allerdings aufs Auge - nachdem das erste nämlich wieder abgeschwollen war, hatte sich die nächste Mücke das zweite Auge ausgesucht, das nun noch um einiges schlimmer aussah ...

Wie ungewohnt war es doch, als wir an diesem Abend nicht in unser Zelt krabbeln mussten, sondern uns auf den riesigen Betten und weichen Matratzen ausbreiten konnten! Allerdings waren nicht alle begeistert davon: Hannelore konnte auf dem weichen Bett nicht schlafen und war kurz davor, Isomatte und Schlafsack daneben zu legen ...

09.08.2015

Nach dem Frühstück hatten wir noch etwas Zeit, daher gingen wir vier (Mama, Hannelore, Annika und ich) nochmal zum nahegelegenen Chena River, wo wir auch diesmal wieder Biber beobachten konnten. Um 11 Uhr brachen wir dann auf. Zunächst hielten wir wieder am Walmart, um unsere Vorräte aufzustocken. Das heißt, die anderen verschwanden im Walmart, ich in einem viel besseren Laden nebenan ... Ulrike hatte nämlich nebenbei erwähnt, dass sie dort einen Buchladen entdeckt hätte - da konnte ich natürlich nicht einfach so dran vorbei gehen! Der Laden war riesig, ich kam gerade mal bis zu den ersten zwei Regalreihen, da musste ich auch schon wieder zurück zum Auto. Aber natürlich nicht, ohne etwas mitzunehmen! Die Wahl viel mehr als schwer, aber schließlich entschied ich mich für "Animal Stories", ein Buch über wahre Begegnungen mit den Tieren Alaskas, sowie "Purely Alaska", ein Buch, welches vom Alltag verschiedener Menschen in Alaskas Wildnis erzählt.

Mittags stoppten wir für eine lunch break in Healy, bei der 49th State Brewing Company, einer Brauerei mit Restaurant. Auf einem Schild am Eingang wurden die Besucher zum "Augtoberfest" eingeladen, beim Hinausgehen auf einem Schild mit "Auf Wiedersehen" verabschiedet und auf der Speisekarte gab es neben verschiedenen deutschen Biersorten auch "Brezeln". Da sieht man mal wieder, womit die Amerikaner uns Deutsche verbinden ...

Hier bei diesem Restaurant gibt es aber noch eine weitere Besonderheit: direkt vor dem Eingang steht der Filmbus aus "Into the Wild". Kurze Zusammenfassung für die, denen der Filmtitel nichts sagt: Es ist die Nachverfilmung einer wahren Begebenheit, in der sich ein junger Amerikaner aus einer wohlhabenden Familie in die Wildnis Alaskas begibt, nachdem er sein gesamtes Vermögen gespendet und sich von der Zivilisation weitgehend losgesagt hat. Er findet einen alten, verlassenes Bus, welcher ihm als Unterkunft dient und in dem er einige Zeit später tot aufgefunden wird - gestorben aufgrund von Unterernährung und giftigen Beeren.

Auch diese Geschichte, die wie gesagt ja auf einer wahren Begebenheit beruht, macht wieder einmal deutlich, dass man die Wildnis Alaskas niemals unterschätzen sollte. Hier stellt die Natur noch die Regeln auf und wer sich nicht an sie hält und darauf einstellt, ist ganz schnell weg vom Fenster ...

Kurze Zeit später erreichten wir unser Tagesziel, den Eingangsbereich des Denali Nationalpark. Hier, auf dem Riley Creek Campground, würden wir die erste Nacht verbringen. Nachdem wir einen geeigneten Platz für unsere Zelte gefunden hatten (auf dem Caribou Loop), machten wir uns auf zu einer ersten kleinen Wanderung. Hier im Eingangsbereich des Parks gibt es noch einige angelegte und ausgeschilderte Tracks, wohingegen man den Rest des Parks fast nur noch auf eigene Faust querfeldein erkunden kann.

Wir entschieden uns für den Horseshoe Lake Trail, der, wie der Name bereits verrät, um den wunderschönen Horseshoe Lake mit seinen Biberbauten und -dämmen herum führt. Überall fanden wir auch von Bibern gefällte Bäume. Obwohl in diesem Gebiet, verglichen mit dem Rest des Parks, recht viele Touristen, Geschäfte, Restaurants und Hotels zu finden waren, wurde auch hier auf Hinweistafeln vor Bären gewarnt und auch auf dem Campingplatz mussten wir unsere Lebensmittel etc. wieder bärensicher wegschließen.

Als wir abends ins Zelt krochen merkten wir, dass es hier im Denali schon deutlich kühler war als auf den Inseln am Fluss.

10.08.2015

Heute nahmen wir um 11 Uhr einen der zahlreichen Camperbusse, der uns in rund 6 Stunden fast bis zum "end of the road", dem Wonder Lake Campground, bringen sollte. Im Denali Nationalpark gibt es nur eine Hauptverkehrsstraße, die ins Innere des Parks führt. Nur auf den ersten rund 24 Kilometern sind private Fahrzeuge erlaubt, ansonsten verkehren jede Menge Shuttle Busse. Diese halten an verschiedenen Besucherzentren oder Campgrounds. Da es aber wie gesagt nur sehr wenige festgelegte Wanderwege im Park gibt, lassen die Fahrer einen aber auf Wunsch auch an anderen Stellen raus. Dann wandert man einfach drauf los und wenn man keine Lust mehr hat, geht man zur Straße zurück und wartet auf den nächsten Bus der vorbei kommt und einen - wenn nicht grade alles besetzt ist - auch mitnimmt. Während der Busfahrt sieht man häufig Bären, Elche und Karibus, manchmal sogar Wölfe.

Wir nahmen nun also auch einen dieser Busse, in den wir auch unsere gesamte Campingausrüstung packten, da wir die nächste Nacht am Wonder Lake verbringen würden. Wir sahen tatsächlich Elche und Grizzlys, welche bereits an die Busse gewöhnt waren und sich nicht groß von uns stören ließen, solange wir uns leise und unauffällig verhielten. Ein bisschen hatte ich immer das Gefühl, dass man durch eine Art Safaripark fährt und sich die Tiere alle in einem großen Gehege befinden - es war einfach so unvorstellbar, dass es wirklich wilde und freie Bären waren!

Je weiter wir in den Park hinein fuhren, desto kälter wurde es. Dann fing es an zu regnen und schließlich zu schneien. Die Sicht war sehr trüb, man konnte kaum etwas von der grandiosen Landschaft erkennen.

Im Eielson Visitor Center machten wir eine längere Pause. Ich nutzte die Zeit, um mir einen beeindruckenden Kurzfilm über die Besteigung des Denali (Mount McKinley)anzuschauen. Und auch wenn ich vorher in Kälte und Schneeregen noch dachte, oh je, was für ein Wetter ... spätestens nach diesem Film war ich geheilt. Der Denali ist mit seinen 6190 Metern der höchste Berg Nordamerikas und befindet sich im Denali Nationalpark. Denali stammt aus der Sprache der Athabasken-Indianer und bedeutet "der Große". Um ihn zu besteigen, muss man wirklich eine Menge Erfahrung besitzen und wirklich gut vorbereitet sein. Man wird mit einem Helikopter zunächst in ein Basislager auf dem ersten Drittel des Berges geflogen, von wo die Expedition dann startet. Diese dauert in der Regel 17 Tage. Das Wetter dort oben ist allerdings extrem, daher kann es sein dass man längere Zeit im Camp verbringen muss, bis man weiter kann. Das heißt zelten bei meterhohem Schnee, Eiseskälte von -40 bis -70 Grad und Sturm. Nur etwa die Hälfte der Bergsteiger, die sich am Denali versuchen, schafft es tatsächlich nach oben.

Nach diesem kurzen Film sah ich den Denali direkt mit etwas anderen Augen. Ok, eigentlich sah ich ihn gar nicht, da es noch immer trüb und nebelig war. Aber das ist halt typisch: Die meiste Zeit im Jahr ist die Spitze des Berges sowieso in den Wolken verborgen, sodass man schon großes Glück haben muss, um ihn ganz zu Gesicht zu bekommen. Im Visitor Center am Parkeingang konnte man sogar Urkunden kaufen auf denen stand, dass man zu den wenigen 30% gehörte, die den Denali tatsächlich gesehen haben ...

Wir machten uns also wieder auf den Weg bis zu unserem Zeltplatz am Wonder Lake. Auch von dort soll man bei gutem Wetter eine wunderbare Sicht auf den Denali haben - wir sahen nichts als Wolken. Trotzdem war der Zeltplatz wunderschön. Es war recht frisch, was mir persönlich aber nicht viel ausmachte, denn dafür blieben wir von den Horden an Moskitos verschont, die normalerweise diesen Platz bevölkern sollen.

Kurz nach unserer Ankunft machte sich ein Teil von uns schon wieder auf den Weg, um einen der wenigen Trails zu erkunden, nämlich den McKinley Bar Trail. Er führte durch Sumpfgebiet und Wald bis zu einem Fluss. Direkt am Anfang sahen wir mehrere Elche und unterwegs vermuteten wir hinter jedem Baumstumpf einen Bär ... diese Gedanken waren auch gar nicht so abwegig, war dieses Gebiet doch bekannt für seine vielen Blaubeersträucher, an denen sich auch die Tiere gerne satt essen. Bären sahen wir zwar keine, dafür erwartete uns bei unserer Rückkehr eine volle Schüssel Blaubeeren, die die Jungs fleißig gepflückt hatten!

Es ist auch immer wieder interessant, was man auf solchen Reisen für Leute kennen lernt. So trafen wir hier zum Beispiel einen jungen Mann und eine junge Frau, die für ein Backpacker-Magazin einen Artikel schreiben bzw. einen Film drehen wollten, und zwar über die Trinkwasserqualität in den Nationalparks. Dazu besuchten sie unterschiedliche Parks und interviewten andere Reisende zu ihrem Trinkverhalten. Denn an sich kann man das Wasser wohl bedenkenlos trinken und für alle Fälle haben die beiden einen Trinkwasserfilter dabei.

In dieser Nacht wurde es ziemlich kalt, das Thermometer kletterte auf drei Grad herunter. Ich behielt so gut wie alle Klamotten, die ich dabei hatte, im Schlafsack an - auch wenn man das ja eigentlich nicht machen soll, weil der Körper dann nicht in der Lage ist, durch so viele Bekleidungsschichten den Schlafsack aufzuheizen. Aber ich konnte mich einfach nicht dazu durchringen, bei dieser Kälte nur ein T-Shirt anzuziehen.

11.08.2015

Als ich am nächsten Morgen erwachte, war mir eigentlich warm - nur mein Kopf war eiskalt. Ich hätte nie gedacht, dass man am Kopf so frieren kann.

Der erste Blick aus dem Zelt ließ das alles jedoch schnell vergessen (zumindest für einen Moment): Das Wetter hatte sich über Nacht gebessert, es war aufgeklart und wir hatten nun einigermaßen freie Sicht auf die spektakuläre Bergkette gegenüber unseres Zeltplatzes. Diese Berge allein waren schon beeindruckend und der Denali war noch gar nicht zu sehen - er war so groß, dass er noch immer von den Restwolken verdeckt wurde.

Es war erst 6 Uhr, aber um 8 Uhr wollten wir schon wieder den Bus nehmen, um möglichst viel vom Tag zu haben. Daher wärmten wir uns erstmal bei heißem Tee und warmem oatmeal auf, bevor wir dann die Zelte wieder abbauten und unsere ganze Ausrüstung zurück zur Bushaltestelle schleppten. Am Wonder Lake stiegen wir kurz aus, um den See wenigstens einmal aus der Nähe gesehen zu haben. Auch der sogenannte Reflection Pond ist traumhaft. Er heißt so, weil sich die Landschaft ganz klar in seinem Wasser spiegelt.

Wir vier fuhren mit dem Bus bis zum Eielson Visitor Center, wo wir einen der Trails gehen wollten. Irgendwie trauten wir der Sache nicht so richtig, einfach drauflos in die Wildnis zu marschieren ... Wir stiegen dort also aus und entschieden uns für den Alpine Trail, einen schmalen Pfad, der hinter dem Parkplatz ziemlich steil hoch auf eine Bergkette führte. Dort oben lag sogar Schnee, obwohl der Aufstieg nur ca. eine 3/4 Stunde gedauert hatte. Wir sahen uns dort oben ein wenig um, genossen die spektakuläre Aussicht und machten Fotos. Wir machten uns keine großen Gedanken um Bären, denn hier oben wuchs ja nichts, da würde sich bestimmt kein Bär hinverirren. Das gleiche versuchte auch ein Engländer seiner Freundin klarzumachen, die nicht ganz so überzeugt zu sein schien. Wir waren es dann auch nicht mehr, als ich auf die ersten Grizzlyspuren stieß. Sie waren sehr frisch und es waren viele, der Bär musste also erst vor kurzem hier gewesen und herumgelaufen sein!! Als wir uns wieder an den Abstieg machten, trafen wir auf Konny und Miri aus unserer Gruppe, die grade oben angekommen waren. Wir erzählten ihnen von den Spuren und sie wollten danach Ausschau halten. Als wir uns Stunden später wieder trafen erzählten sie uns, dass sie nicht nur die Spuren, sondern auch den Bären selbst gesichtet hatten, und zwar wie er den Berg hinunter Richtung Visitor Center lief! Die Ranger wurden leicht nervös, da sie den Bären schon kannten und er als aggressiv galt. Sie sperrten daraufhin den Trail (was Miri und Konny erst bemerkten, als sie wieder unten waren) und verfrachteten alle Besucher entweder in die Busse oder ins Center, bis der Bär weitergezogen war. Wir waren nur fünf Minuten vorher mit dem Bus weiter gefahren ...

Während der Busfahrt sahen wir nicht nur immer wieder Bären, Elche und Karibus, sondern erhaschten doch tatsächlich immer mal wieder einen Blick auf den Denali, wenn er sich zwischen den Wolken zeigte - was für ein Glück! Sofort zückten alle ihre Kameras, um auch wirklich ein Beweisfoto zu haben.

An der Toklat River Contact Station verließen wir erneut den Bus. Wir sahen uns kurz in dem kleinen Buchladen um, dann machten wir uns auf den Weg. Nun wollten wir es doch wenigstens einmal versuchen, einfach so ohne Weg drauf los zu wandern. Wir kamen allerdings nicht sehr weit, da uns immer wieder Flüsse den Weg versperrten.

Als wir einsahen, dass es so keinen großen Sinn machte, kehrten wir zur Busstation zurück und fuhren weiter. Diesmal erwischten wir einen sehr gesprächigen Busfahrer, der viel über den Park und die Tiere erzählte. Interessant fand ich zum Beispiel, dass er einmal während seiner Tätigkeit als Busfahrer im Park einen Vielfraß entdeckt hatte. Diese Tiere sieht man nur sehr selten. Er erzählte, dass sie zu den wenigen Tieren zählen, die auch einfach aus Spaß töten. Sie gelten als sehr aggressiv und wenn man von einem angegriffen werden sollte, hilft eigentlich ... gar nichts. Sie können schneller rennen, besser schwimmen und klettern und kommen problemlos in tiefem Schnee zurecht. Kurzum, man hat kaum eine Chance. Trotzdem, erzählte unser Fahrer, habe er von einem Mann gehört, der junge Vielfraße mit der Hand aufgezogen hatte. Und später sei einer sogar als Lawinenspür"hund" ausgebildet worden. Er meinte, es müsse ein seltsames Gefühl sein, sich von einem Vielfraß das Leben retten zu lassen ... Vielfraße sind erst sehr wenig erforscht, es ist sehr wenig über ihre Lebensweise bekannt. Vielleicht ranken sich grade deshalb so viele Geschichten und Legenden um sie ...

Wieder zurück im Visitor Center am Parkeingang nutzten wir die Gelegenheit, um Mitbringsel einzukaufen für diejenigen, die zu Hause die Tiere so toll versorgten. Viele andere Möglichkeiten würden sich dazu nicht mehr bieten. Als wir schließlich zurück zum Zeltplatz kamen, hatte Dirk bereits alle Zelte aufgebaut. Und zum Abendessen gab es leckere Spaghetti mit Gemüsesoße - extra vegetarisch ;-)

Wir waren grade fertig mit dem Essen, da gesellte sich eine Gruppe junger Leute zu uns, die Dirk kurz zuvor kennengelernt hatte. Sie waren in den letzten Monaten von Key West in Florida bis zur Prudhoe Bay im Norden Alaskas geradelt! Sie erzählten von ihrem Trip und was sie sonst noch so machten. Einer würde bald nach Deutschland kommen um in Koblenz zu arbeiten. Er sprach bereits sehr gut Deutsch, nur bei einem Wort mussten wir lachen: Er war sich bei dem Wort Stechmücke nicht ganz sicher und machte daraus kurzerhand eine Mücksteche :-) :-) Eine Engländerin war erst vor kurzem zu ihnen gestoßen und würde den Trip nun in umgekehrter Richtung machen. Und einer wollte sogar ein Buch über die Tour schreiben.

Wie gern würde ich so etwas auch eines Tages machen ...

Den Abend ließen wir zum letzten Mal an einem Lagerfeuer ausklingen, bevor wir uns ein letztes Mal in unsere Zelte verkrochen.

12.08.2015

An diesem Morgen kroch Annika als erste aus unserem Zelt - und entdeckte daher auch als erste die Überraschung.

"Anke - neben unserem Zelt liegt alles voll Klopapier!"

"???"

"Und der ganze Baum ist auch voll!"

"!!!"

Nachdem ich sicher war, dass ich das jetzt nicht geträumt hatte, kroch ich hinterher und sah nun ebenfalls die Bescherung. Unter und auf dem Baum, der direkt neben unserem Zelt stand, war tatsächlich alles voller Klopapier! Nachdem ich mich vor Lachen erstmal nicht mehr einkriegte, war der Täter schnell ausgemacht: Es musste eins dieser süßen Squirrels gewesen sein, eine Art überhaupt nicht scheues Eichhörnchen, die hier den Zeltplatz belagerten. Sie waren den ganzen Morgen schon verdächtig geschäftig um unser Zelt herumgeflitzt und hatten scheinbar eine Klopapierrolle aus einem nicht ganz dicht verschlossenen Packsack geklaut und nun versucht, sie hoch ins Nest zu befördern. Leider war dabei einiges unterwegs verloren gegangen ... Wir ließen ihnen den Spaß und das Papier auf dem Baum, auch wenn es hier ausdrücklich verboten war, "Dinge in die Bäume zu hängen" ...

Nach dem Frühstück brachen wir auf zu einem letzten Track, dem Mount Healy Overlook Trail. Der liebe Dirk baute in der Zeit wieder unsere noch regennassen Zelte ab ... Der Track war sehr schön, zwar steil doch dafür mit schönen Ausblicken auf die Landschaft. Unter anderem sahen wir in der Ferne eine alte Eisenbahnbrücke, die seit 90 Jahren nicht mehr erneuert worden war.

Wir gingen aber nicht den kompletten Weg, da wir zum einen nicht genügend Zeit hatten und zum anderen, weil es anfing stärker zu regnen. Was hatten wir doch für ein Glück gehabt, dass wir gestern, bei unserem längsten Tag im Park, so herrliches Wetter gehabt hatten!

Gegen 13 Uhr fuhren wir dann zurück nach Fairbanks in unser Motel, wo wir drei Stunden später ankamen. Dort stellten wir uns zunächst selbst unter die Dusche, bevor wir darin die Zelte grob reinigten und dann zum Trocknen ausbreiteten. Was war das für eine Sauerei ...!

Um 18 Uhr trafen wir uns wieder, um zu unserem Abschiedsessen in die Stadt zu fahren. Diesmal ging es ins Pump House, einem Restaurant direkt am Chena River. Die gesamte Einrichtung war sehr alt und original und wir hatten sogar einen eigenen Raum für uns.

Nach dem Essen war es Zeit für Geschenke. Als Dankeschön für diese wunderschöne Reise hatten wir Henning und Dirk etwas kleines mitgebracht. Dirk bekam zwei Bücher - unter anderem "Two Old Women"  - und Henning einen Biber. Also, einen aus Plüsch. Eine Handpuppe. Henning hatten es diese Tiere auf dieser Reise ganz besonders angetan, sodass dieser kleine Gag einfach sein musste ;-)

Dann gab es natürlich noch Nachtisch. Da sich bei der Auswahl keiner so richtig entscheiden konnte, wurde einfach von allem etwas bestellt und nachher am Tisch rund gereicht.

Anschließend gab es eine Abschiedsrunde, bei der jeder nochmal zu Wort kam und sagen konnte, wie ihm persönlich die Reise gefallen hatte. Was soll ich groß schreiben: alle waren begeistert. Und Hannelore traf es ganz genau, als sie sagte: "Wenn mich nun zu Hause jemand fragt, wie die Reise war ... ich weiß gar nicht, was ich darauf antworten soll!" Genauso ist es. Eine solche Reise, ein solches Erlebnis, kann man nicht einfach in zwei Sätzen beschreiben. Man kann erzählen, dass man mit dem Kanu den Yukon entlang gefahren ist, auf einsamen Inseln gezeltet und nachts Polarlichter bestaunt hat ... man kann Fotos zeigen ... aber so richtig nachempfinden und verstehen kann man es erst, wenn man selbst dort gewesen ist, sich die Zähne mit Flusswasser geputzt hat und mit Bärenspray am Gürtel durch den Wald gewandert ist ...

Auf der Rückfahrt waren alle in ausgelassener Stimmung, selbst der Biber tanzte ganz vorne zur laut aufgedrehten Countrymusik. Zurück auf dem Zimmer im Motel fehlte aber noch irgendwas. Sollte es das wirklich schon gewesen sein? Nein!! Mama und Hannelore hatten die rettende Idee und klopften abends um halb 11 bei uns an: PEANUTBUTTER M&Ms!! Irgendwie mussten wir den letzten Abend noch feiern und so trafen wir uns kurz darauf mit einer Tüte Erdnussbutter M&Ms bei den beiden im Zimmer. Und hörten Henning zu, wie er nebenan versuchte, das Innenleben seiner Kamera trockenzuföhnen, die tags zuvor in einer Pfütze gelandet war ...

13.08.2015

Es war soweit ... der allerletzte Tag brach an, es war nicht zu vermeiden ... nach einem letzten, ungesunden und überzuckerten Frühstück - bei dem wir uns dieses Mal sogar eine frische Waffel machten, gönnten und teilten - gingen wir vier noch einmal los zum Pioneer Park. Ein paar der kleinen Geschäfte hatten bereits geöffnet und wir erstanden hier und da noch ein Andenken. In einem Laden, der Handwerkskunst der Ureinwohner Alaskas verkaufte, entdeckten wir ein kleines Kanu aus Birkenrinde ... dieses hatte für uns nun eine ganz besondere Bedeutung.

Um 12 Uhr hieß es dann Abfahrt. Wir stoppten noch ein letztes Mal beim Walmart, dann kamen wir gegen 13 Uhr am Flughafen an. Von Ulrike, Nik und Lorenz hatten wir uns bereits gestern Abend verabschiedet, sie waren bereits unterwegs nach Kalifornien. Nun hieß es Abschied nehmen von Miri und Konny, die auf eigene Faust noch ein wenig länger in Alaska und Kanada bleiben würden. Und natürlich von Dirk - er würde hier gleich die dritte und letzte Reisegruppe für diesen Sommer in Empfang nehmen. Einige aus dieser Gruppe trafen wir sogar noch kurz vor unserem Abflug - so, wie wir vor zwei Wochen noch der ersten Gruppe begegnet waren.

Nachdem die Computersysteme unseres Fliegers aus irgendeinem Grund komplett neu gestartet werden mussten, flogen Henning, Wolfi, Annika, Hannelore, Mama und ich in 10 000 Metern Höhe, mit 826kmh und bei einer Außentemperatur von minus 55 Grad über Nordgrönland und den Arktischen Ozean zurück nach Frankfurt.